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Wappenbuch von den Ersten : gen. "Codex Seffken"
Entstehung
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Vorwort und Einleitung.

Im Auftrage des Verein Herold abergeben wir hiermit «'in Wappenbuch der Öffentlichkeit, das

Sowohl wegen seines hohen Alters und seiner ungewöhnlichen Schicksale, als auch wegen seines Inhaltsden gerechtesten Anspruch auf Beachtung hat. Wir machen uns damit ZU Vollstreckern eines Lieblings-wunsches unseres verewigten Ehrenmitgliedes, des Obercermonienmeisters Grafen von Stillfried-Alcantara,von dem die einzige bisher vorhandene Kunde über den sogenannten Codex Seffken herrührte.

Im Anzeiger für K. d. d. V, (German. Museum) 1Ö71 S. 31. schrieb Graf Stillfried:Ehe ich an die beabsichtigte Wiederherausgabe des Grünenberg'schen Codex gehe, möchte ich gerneeine Wappenhandschrift des [4. Jahrhunderts, welche zwischen der Züricher Wappenrolle und demConstanzer Condliumbuch die Mitte hält, wieder auffinden und wende mich desshalb durch dieseZeilen an das kunstverwandte Publikum. Ich meine ein unteT dem Titel

Dit is dat Wapenbouch von den Sefken"auftretemles Manuscript, welches sich [379 im Besitze des Bischofs von Lüttich (Arnoldus Horneus, filiusDomini ab Hörne) befunden hat. Dasselbe (kl. Fol. auf Papier etwa 300 Wappen enthaltend) wurde mirvor ifi fahren durch einen Antiquar zum Kauf angeboten, war aber von einem auswärtigen Concurrentenmit Beschlag belegt, ehe ich den Handel abzuschliessen vermochte. Es ist mir bisher nicht gelungen,zu ermitteln, wo dasselbe geblieben. Glücklicherweise habe ich einige Wappen daraus copiert, von denenich unter Angabe der Farben ein Probeblatl hier beifüge. Möchte jeder, der diese Zeilen liest undüber den Verbleib des Manuscriptes Auskunft ertheilen kann, sich gütigst dieser Mühe unterziehen,oder noch besser, möge der I jcncidenswerthe Eigenthümer des Manuscriptes sich zur Herausgabe des-selben entschliessen; die Wissenschaft sowie die Heroldskunst würden es dem opfermuthigen ManneDank wissen."

Die beigefügte Steindrucktafel tragt die Ueberschrift:

Dit is dat Wapenbouch van den Sefken 1 )

Arnoldus Horneus filius Domini ah Hörnt fuit EpiscopusLeodiensis An. christianorum .1/ ('('('/. XXIX

und enthält die Wappen:

I). Hoemeyst' va pruse (Unsere Taf. 2Öv, No. 1).

I). büchoff va colle '-> (Taf. jnv, No. 2).

Das unbestimmte Wappen (Taf. 4. No. 4).

D. markgr. : b v baden (Taf. 29V. No. 4).

Der Markgrave*) va wissen (Taf. 29V. No. ,ij.

D. grevt va norenberch (Taf. 29 No. 4).

('.rat Stillfried wiederholte demnächst seine Anfrage in der Vorrede zum Grünenberg'schen Wappen-buch, jedoch ohne den geringsten Erfolg. Mit dem Tode des Grafen war die Aussicht auf die Wieder-erlangung des Wappenbuchs fast geschwunden, da die Angaben des Grafen nicht einmal eine Andeutunggaben, in welcher Richtung dieverlorene. Handschrift" zu suchen wäre. Man musste es dem Zufallüberlassen, das verschollene Wappenbuch, wenn es noch vorhanden war, wieder auf der Bildfläche er-scheinen zu lassen!

Im November 1891 erhielt der Unterzeichnete von einem bekannten süddeutschen Antiquar eineAnsichtssendung, hinsichtlich der in der begleitenden Note Angaben gemacht waren, die zu grossen Er-wartungen nicht berechtigten Dm so freudiger war meine Ueberraschung, als ich in der Vorlage densogenanntenCodex Seffken" erkannte, welchen Graf Stillfried 25 Jahre vergeblich gesucht hatte!Ein Vergleich mit der oben abgedruckten Anfrage bestätigte die genaueste Uebereinstimiaung des ver-schollenen mit dem gefundenen Werke in allen Einzelheiten.

I). Im Texte steht dagegen, thatsächlichSefken."

2). ta Original steht jedoch in genauer Uebereiastimmung mit unserem Facsimile cutlc.3). MarkgTeve.

In der Vorstandsitzung des Verein 11 <-r< d< 1, welche der ordentlichen Sitzung vom 15. Nov 1891vorherging, legte ich den wiedergefundenen Schatz vor und beantragte die Erwerbung desselben für dieVereinsbibliothek. Der Vorstand und die- darauf zusammentretende Plenarversammlung des Vereins

nahmen den Antrag mit freudiger Zustimmung an und es wurde alsbald die Herausgabe- des Wappen-buchs beschli issen.

Aus den Angaben des Grafen Stillfried ist zu entnehmen, dass der Cocle.x zum ersteimiale imJahre [855 auf eleu Markt gekommen ist. Zwei Gutachten über denselben, die der Verein mit deml'cidex erwccil.cn hat. sind von Graevenhage 1 < s .S7 und IcS.Si) datirt; daraus ergiebt sich, dass derCon-

current" von 1 s^ 5 ein Niederländer gewesen ist.

Wenn man nun fragt, wie es möglich war, dass das Buch trotz der Anfragen des ('.raten Stillfried,

die so viele suchende Augen und Hände in Bewegung setzten, verborgen bleiben konnte, go .sich bei einem Vergleich mit der Urschrift die Antwort, dass einige Ungenauigkeiten jener Angaben demBesitzer des Wappenbuchs, der als Ausländer der deutschen Sprache wohl nicht mächtig war, dieIdentität als zweifelhaft erscheinen lassen konnten.

Graf Stillfried hat den Titel des Wappenbuchs nicht richtig gelesen. Wir haben gleichwohl in dererlassenen Subscriptions - Einladung die Bezeichnung desselben alsCodex Seffken" beibehalten, da

das Buch nur unter diesen Namen bisher bekannt war, uns jedoch in der Note weitere Erörtert

für diese Stelle vorbehalten. Um den Leser die eigene Prüfung auf Grund eines von subjeetiver Auf-fassung nicht beeinilussten Materials zu ermöglichen, haben wir das Titelblatt in Lichtdruck wiedergeben

lassen.

In Bezug auf die Lesung Seffken schrieb mir am 1 s. März [892 Herr ('. Tcske in Schwerin:

..Diesen Berliner Taufnamen kann ich schlechterdings nicht aus der aul dem 1. Blatte befindlichenEintragung herauslesen. Es steht dort meines Erachtens bei genauer Hinsicht deutlich: Dit is datWapenbouch van den Erffken oder allenfalls Erfften das E und die beiden ll sind jedenfalls klar."

Ich konnte diesem Einwände nur zustimmen, die Lesung Senken war schlechthin zu verwees blieb nur die: Wahl zwischen Erffken und Erfften. Darauf wandte ich mich an meinen verehrtenGönner und Freund Herrn Oberbibliothekar Professor Dr. Antonius v, d. Linde- in Wiesbaden einengeborenen Niederländer der seinerseits mit Herrn Professor R. Fruin in Leiden in dieser AngelegenheitL correspondirte. Herr Professor v. d. Linde dem die Urschrift zugänglich gemacht wurde, las mitSicherheit Erfften, erhob indess zuerst Bedenken gegen ilas doppelte s. In Nachschrift schrieb ermir jedoch:

Nachdem ich den ganzen codex durchgesehen habe-, besonders sprachlich, ist mir das doppe! snicht mehr anstössig. Und dann wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu lesen: Ersstenelas Wap penbuch. der Ersten, näml. Geschlechter, wie das englische the first, dänisch forste.

prineipe-s." |

Nach wiederholter eingehender Prüfung der Urschrift möchte ich allerdings behaupten, dass derSchreiber Krssten schreiben wollte; im Zuge- des / scheint der Kiel nachgegeben zu haben, sc 1 dassdie oberere Hälfte ek-s Buchstabens gefüllt erscheint, wodurch er eine Aehnlichkeit mit dem Buchstabenk erhalten hat.

Die Lesung Ersten wird durch eleu Inhalt des Buchs vollkommen bestätigt, der Urheber

wollte ein Wappenbuch der ersten, vordersten Geschlechter geben. Die vork.....menden

Ausnahmen dürften sich als verzeihliche Fehlgriffe des Urhebers bezeichnen lassen. So erscheint aufTafel 39 unter der Ueberschrift der gvt r,m rechenberg das Wappen der fränkischen von Rechenberg,eines kleineren Ministerialen - Geschlechts, elas von Rechtswegen einen Platz hier nicht verdient hatte-.Ohne Zweifel sollte- hier elas Wappen der Herrn von Rechberg stehen.

Ein weiterer [rrthum des Grafen Stillfried ist der, dass er den Bischof Arnold von Lüttich 1379als Besitzer des Wappenbuchs bezeichnete, Er wurde dazu durch eine auf dem Titelblatte befindlicheI '.einet kung verleitet, die sich jedoch schon durch ehe Schrift als spaterer Zusatz kennzeichnet.