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Die Weingartner Liederhandschrift in Nachbildung
Entstehung
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vor der Aufhebung der Abtei, die Handschriften der Klosterbibliothckgenau aufnahm und einen Katalog von ihnen anlegte, fand sich das Lieder-buch im letzten Fach K, dem man die Aufschrift Miscellanea, wo nicht garAllotria, geben könnte, wo es die Signatur K 10? trug, als eines derletzten Bücher der ganzen Sammlung.

Aber auch andere Leute als die frommen Klosterbrüder sind achtlos ander Handschrift vorübergegangen. Als bei den Bibliothekreisen, die inder zweiten Hälfte des 18. Jahrhandertl Mode waren, alle möglichefremden Gelehrte nach Weingarten kamen, wurde das Buch langenicht erkannt. Der berühmte lurstabt von St. Blauen, M. Gerbert,untersuchte 1760 eingehend die Weingartner Handsehriftensehatze, aberdie Licelerhandsehrift hat er nicht beachtet; ebensowenig zwei Jahr-zehnte spater der Historiker Geroken. Lrst der große ßücherkenner,Hofrat Zapf, cler kurz nach Geroken auch die Bibliothek besuchte:, hatin seiner eingehenden Beschreibung der Buchersammlung auf die Hand-schrift hingewiesen und zwei Strophen aus dem Lied Kaiser Heinrichsabgedruckt mit Beifügung einer Tafel '). Er bedauert dabei, daß der seligeProfessor Bodmer sie nicht gekannt habe. Diese Annahme ist nicht ganzrichtig. Denn die Züricher Lrwecker alter deutscher Dichtung, Bodmerund Breitinger, hatten sie schon vorher aufgespürt. Bodmer kannte die

Handschrift, wenn er auch nur ganz selten von ihr spricht 2 ), da die be-rühmtere Manessische schon aus lleimatgründen bei seinen Veröffent-lichungen für ihn ganz im Vordergrund stand. Aber ein allerdings nichtganz ebenbürtiger Schüler und Landsinann der Züricher, cler Literat Leon-liard Meister, hat schon vor Zapf die Literaturgeschichte auf den Wein-gartner Kodex hingewiesen und daraus in seinenBeyträgen zurGcsehiehtecler teutschen Sprache und Nalional-LiUeratur", Th. 1, 1777, S. 94 und 102,ein Gedicht Walters \on der Vogelweide abgedruckt) das in cler anderenHandschrift fehlt. Im Jahr 1812 geben Iriedr. Heinr. v. der Hagen undJob. Gast. Büsching in ihremLiterarischen Grundriß zur Geschichte: derDeutschen Poesie von der ältesten Zerit bis in das 16. Jahrhundert" einegenauere Inhaltsangabe IS.480482). Daß das Buch inzwischen mit denWeingartner Beständen durch die Säkularisation 1810 nach Stuttgart ge-kommen war. wird dabei mit keinem Wort gesagt, was sich ganz ein-fach dadurch erklärt, daß auch diese genaueren Angaben nicht auf eigenerEinsichtnahme, sondern, wie: ausdrücklich gesagt, auf fremden Mittei-lungen beruhten, nämlich des 1806 verstorbenen elsässischen PhilologenJeremias Jacob Oberlin, der seit 1763 Bibliothekar in Strallburg war undals solcher Reisen nach de:n benachbarten Bibliotheken gemacht hatte.Eine Spur von dem Weggang der Handschrift von Weingarten verrätdann erst der Nächste:, der sieh noch eingehender mit ihr Defafite, Dieswar der Stuttgarter Hofbibliothekar Fem Weckherlin, der in denLite--rarisehen Beilagen ZU |Grüters| lelunna und Hermode auf das Jahr 1816",N. 3 und 4, die Handschrift in zwei mit N gezeichneten Artikeln behan-delte alsdie sonst unter dem Namen von Weingarten bekannte Hand-schrift", Daß sie aber jetzt in seiner eigenen Bibliothek lag, sagt nichteinmal Weckherlin selbst ausdrücklich. Erst der nächste: Bericht gibtStuttgart ab Heimatort an. Mit diesem bietet 1826 Graff im 1. BandseinerDiutiska", S. 76114, eine ins Einzelne gehende Inhaltsangabe,wobei sämtliche- Strophenanfänge verzeichnet sind und eine Vergle-iehungdes Hauptteils mit der Manesse-Handschrift durchgeführt ist. Dem dabe-ivon Graff angesprochenen Wunsch nach einem Abdruck des ganzenKodex, den schon Lnßberg auf Grund der für ihn von seinen FreundenUliland und Schwab längst genommenen Abschrift als Band V seinesLiedersaales" beabsichtigt hatte, aber nicht hatte ausführen können, istendlieh Franz Pfeiffer im Jahr 1843 nachgekommen, indem er im 5. Banel

1) G. W. Zapf, Reisen in einige Klöster Schwabens, Erlangen 1786, S. 13.

2) In denLiterarischen De-nkmalen", 1779; nach Bodme-rs Abschriftveröffentlichte Christoph Heinrich Müller 1783 im 1. Banel derGedichtedes 12., 13. und 14. Jahrhunderts" das Schlufistück der Weingartner Hand-schrift, das in der Manesseschen nicht enthalten ist, sowie im 2. und3. Band einzelne Strophen verschiedener Dichter.