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Über mittelalterliche Bibliotheken
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Anordnung der Bibliotheken im Mittelalter. 315

im Signiren der Bücher nachgewiesen werden dürfte; vielleicht wirdsich auch zeigen, dass von einer gewissen Zeit an allgemein ein Um-schwung im ganzen Verfahren eintritt. 1 )

Da die Frage von der Anlage der Bibliotheken und dem Ver-hältniss, in dem die davon gefertigten Verzeichnisse dazu stehen,schon vorher berührt worden ist, möchte ich noch das Verfahrenbei der Catalogisirung erörtern. Es muss ausdrücklich hervor-gehoben werden, dass die Cataloge meist nur zum Auffinden der Co-dices im Allgemeinen dienten oder die Anzahl der Bände aufweisen,nicht aber ein Schriftenverzeichniss im Einzelnen geben sollten, wasman doch eigentlich erwarten würde. Wir haben aus älterer Zeitdafür ein ausdrückliches Zeugniss im Catal. von S. Kiquier (BeckerNo. 11) am Schlüsse,' 2 ) und wir sehen dies sowohl dort, als auch sonstpraktiscli bestätigt, indem wir nur die ersten Schriften der Codicesangeführt finden, 8 ) Es gibt überhaupt in Betreff der Genauigkeit bei

') Aufmerksam will ich machen, dass uns auch verschiedenfarbigeSignaturen einer und derselben Bibliothek belegt sind. Die auf 36 Pul-pitis niedergelegten Hss. von Altenzelle hatten roth für Theologie,schwarz für Jurisprudenz, grün für Mediciu. Die Signatur besteht auslateinischen Buchstaben nebst der Ordnungszahl (vgl. Gust. Klemm, ZurGesch. der Sammlungen f. Wiss. u. Knust, Zerbst 1837, pg. 30). Nochmerkwürdiger sind Richards de Fournival Worte: volumiua .... insignitasunt litteris alphabeti, siugulis quidem sub diversis colorum distinc-tionibus pluries repetitis, et quibusdam ex eis etiam, multi-plicationis gratia, diversimodo figuratis seeundum consuetudinemfigurandi modernam. Areole tarnen sacram continenti scripturam color litte-rarum aureus specialiter reservatur, et argenteus areole volumiua con-tineuti de scientiis lucrativis, unter denen der Autor Jus und Mediciu ver-steht (Delisle, Cab. des Mscr. T. II, pg. 521). Also die hl. Schrift hat dieSignatur in Gold; Jus, Medicin in Silber; es bleibt die areola philosophiae,von der Delisle a. a. ü. pg. 520 sagt: Les volumes ranges dans la classe dePhilosophie sont tous marques par des lettres bleues, violettes, rougeset vertes, uud ferner: Dans une derniere division, appendice de la theo-logie sont classes les livres originaux, ^c'est-jl-dire les volumes renfermantle texte des ouvrages des peres de l'Eglise, par Opposition aux recueilsdans lesquels ces meines ouvrages sont decoupes par lambeaux. Les cotesdes livres origiuaux sont traeees ä l'encre noire et ä l'arsenic. Dielitterae diversimodo figuratae erklärt Delisle a. a. 0. pg. 519 als„eapitale, onciale, minuscle, carriie, arrondie etc." Delisle hat dann dieganze Signaturen-Tabula zum Abdruck gebracht; doch empfängt man keineklare Vorstellung davon, da die Buchstaben weder in verschiedenen Formen,noch in verschiedenen Farben erscheinen, statt dessen die Entschuldigung:La typographie ne peut reproduire ni les differentes formes ni les differentescouleurs sous lesquelles la meme lettre se presente successivemeut dans letableau synoptique. Mag man über Richards de Fournival Authenticitätdenken, wie man will, betreffs dieser Punkte dürfte er nach Mustern ge-arbeitet haben, die ihm bei der Ausarbeitung seiner Schrift vorschwebten.

') Omnes igitur Codices in commune faciunt numerum CCL & VI itavidelicet ut non numerentur libri siugillatim sed Codices, quia in uno codicediversi libri multoties ut supra notatum est, habentur, quos si numeraremusquingentorum copiam superarent.

3 ) Man vergleiche auch Jac. Wichner, Geschichte des Benediktiner-Stiftes Admout Bd. 3, Graz 1878, pg. 89 der erzählt, dass im Jahre 1380