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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
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Gruppe VIII. Holz-Industrie.

Fächer ausgestellt, die nach Art der chinesischen oder Rococofächeraus Elfenbein durchbrochen gearbeitet waren die Technik hattehier vor ausgesprochenem Naturalismus bewahrt, eine gefällige Zier-lichkeit war erreicht worden; wer 100 ja 200 Francs für einen Fächerzahlen kann, verlangt aber doch wohl edleren Stoff, als gewöhnlichesHolz, das bei seiner Verwendung keine Politur zulässt und dessenstumpfe Farbe durch den Gebrauch unrein wird ohne eine Säuberungzu vertragen. Friedrich Sterchi in Oberried und Abegglen-Perrinin Iseltwald vertraten als Specialisten die bekannten Nach-bildungen der Schweizer Holzbauten, die entweder für ein Musikwerkoder eine Uhr eingerichtet oder nach Abhebung des Daches als Kastenbenutzt werden können. Die Wiedergabe der Wirklichkeit war beidiesen oft ziemlich umfangreicheil kleinen Gebäuden in der That aufeinen hohen Grad gebracht; es fehlte weder an all den kleinen male-rischen Zufälligkeiten in der Umgebung, wie sie das tägliche Lebenihrer Bewohner mit sich bringt, noch an dem stilvollen Schnitzwerkund den erbaulichen Sprüchen auf Balken und an Thüren.

Während die Schweizer noch auf den alten Wegen ihre Rechnungfinden, sind ihnen in den bayerischen Alpen gefährliche Nebenbuhlererwachsen. Dank einigen tüchtig geleiteten Zeichen- und Schnitzer-schulen ist dort eine Schnitzlereiindustrie entwickelt worden, die einer-seits mit den Bernern auf ihrem eigensten Boden wetteifert, andererseitsaber darüber hinaus zu stilisirten Formen fortzuschreiten sich an-schickt.

Am weitesten ist man bereits im Berchtesgadener Distriet,dessen unter Mich. Hohms Leitung stehende, bereits 1858 > gegründete,im Jahre 1872 mit 34 Schülern arbeitende Schnitzerschule in Wien vor-trefflich ausgestellt hatte. Was die Arbeiten dieser Bayern vor Allemvon denen der Schweizer vortheilhaft unterscheidet, ist ein gewisserurwüchsiger Humor der ersteren, der in mancherlei gutlaunigen Figür-chen, Heinzelmännchen und Bergmännlein anziehend sich ausspricht,während dem trockeneren Schweizer keine Ahnung von dergleichen auf-steigt. Mit gutem Erfolg ist man in Berchtesgaden schon seit Jahrenzu der Nachbildung jener ursprünglich der Westküste Nordalbingienseigenen Kerbschnittornamente vorgeschritten, die in Manchem an diegothischen Maasswerkformen erinnern und gleich diesen aus Zirkel-schlägen entwickelt werden. An einem Nachweis des Zusammenhangeszwischen den mathematischen Constructionen dieser und jener Orna-mentik fehlt es freilich, obwohl man manchmal meinen möchte, aufdiesen Mangelbrettern, Gewürzladen und Kästchen die Gotliik mit Hän-den zu greifen. Die ältesten dieser mit Kerbschnitten gezierten Holz-geräthe gehen aber unseres Wissens nicht weiter als in die ersten Jahredes siebzehnten Jahrhunderts zurück. Datirt sind sie interessanterWeise fast ohne Ausnahme mit Jahr und Tag ihres Entstehens. Von