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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
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II. Die Holzschnitzarbeiten.

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den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts schwinden sie inraschem Verfall, um in ihrer Heimath heute fast, vielleicht noch nichtvöllig erloschen zu sein. Häufig genug kommen sie in guten Stückennoch vieler Orten im Holsteinischen und Schleswigschen vor, um ausihnen eine lehrreiche Vorbildersammlung für die BerchtesgadenerSchnitzler zusammenstellen zu können, die noch Manches Gute anihnen lernen mögen , so die Tiefe und Klarheit des Schnittes und dieSubordination kleinerer, flacher gehaltener Elemente eines Mustersunter grössere, tief herausgehobene und so durch kräftigere Schattendominirende. Die Berchtesgadener überspinnen die Flächen ihrer Holz-möbel mit allzu gleichmässigen Ornamenten, die auf die Dauer etwaslangweilig wirken.

Auch die Werderfelser Districts-Schnitzschule verdientlobende Erwähnung. Erst 1869 begründet erzielte sie schon 1871bei einer Verausgabung von 1250 fl. für Rohmaterialien, 60 Arbeiternund einem Wasserrad einen Umsatz von 11 000 fl. Man sieht, dasssie einen guten Anlauf nimmt, den Zweck ihrer Gründung, die Schaffungeines neuen Erwerbszweiges für die meist arme Bevölkerung des umdie hohe Zugspitze an den Quellen der Isar gelagerten WerderfelserDistrictes, zu erfüllen. Die blinde Nachahmung der Schweizer Massen-artikel ist in Werderfels verpönt. Soweit die Fortschritte der Schüleres zulassen, werden ihnen Arbeiten zugewiesen, welche der freien Ent-faltung ihrer Individualität Raum geben, nicht um den bildendenKünsten ins Handwerk zu pfuschen, sondern in einem tüchtigen, aufshandwerklich Praktische gerichteten Geiste. Noch im Jahre 1873 solltevon den Nippes, dem kleinen Geräth und den Bilderrahmen zur An-fertigung von Renaissancemöbeln fortgeschritten werden. Ein sehrerfreuliches Unterfangen, wenn die Leiter der Anstalt ihre Schüler da-vor zu bewahren wissen, aus einer Manier in die andere zu verfallen.Damit dass man statt der Sennerbuben akademische Putten, statt derLämmergeier Adler und pickende Vögel aus Holz schnitzt, Epheu,Alpenrosen undEdelweiss durch Akanthus verdrängt, wäre noch bitter-wenig geholfen. Soll eine bedeutende Zukunft erblühen, so muss inbeiden Richtungen gearbeitet werden wie dies in unseren Schluss-worten über die Möbelindustrie des Deutschen Reiches angedeutet wor-den es müssen einerseits die mit den eigenen Augen beobachtetenFormen der lebenden Natur mit möglichster Naturwahrheit nachge-bildet, in ihnen das Typische erfasst und stilvoll dargestellt werden,andererseits muss versucht werden, mit dem so gewonnenen neuen Mate-rial unter der Führung der Alten neue ornamentale Bildungen zu ge-winnen , diese dem Stoffe und dem Zwecke der zu verfertigendenGegenstände angemessen zu verwertken. Fehlen hierzu die Lehrkräfte,suche man thunlichst enge Fühlung mit den Reformbestrebungen imGeiste der italienischen Renaissance und hüte sich vor zu enger Ver-