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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
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547
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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 547

von Schweizer Schnitzlereien errichtet sind. In wie weit der in demletzten Jahrzehent durch den Einfluss der Capitalwirthschaft -und durchdie Aufmunterung grösserer Unternehmer der Schnitzerei gegebeneImpuls diese Industrie innerlich gehoben und insbesondere in Ver-bindung mit der Möbeltischlerei gebracht hat, liess sich auf der WienerWeltausstellung nicht beurtheilen, da gerade die bedeutendsten Unter-nehmer, so die Gebrüder Wirth in Brienz, welche allein mehrere Hun-dert Arbeiter beschäftigen, der Ausstellung fern geblieben waren. ImUebrigen vertraten etwa 40 Aussteller diesen Industriezweig in hin-reichendem Umfange in allen seinen Specialitäten.

Der Werth der Jahresproduction der kleineren Fabrikanten desOberlandes schwankte in letzter Zeit nach eigenen Angaben zwischen8000 und 80,000 Francs. Sie beschäftigen in geschlossenen Werk-stätten je 10 bis 20 Arbeiter, die grösseren überdies eine beträchtlicheAnzahl, bis zu 80, Arbeiter in deren Privatwohnungen. Die Frauen-arbeit spielt dabei eine ganz untergeordnete Rolle.

Der Gesammtcharakter der Schnitzlereien des Berner Oberlandeshatte sich seit der Weltausstellung des Jahres 1867 nicht wesentlichverändert. Derselbe Mangel an stilvoller Auffassung der Naturformendieselbe Dürftigkeit, Trockenheit und Schwerfälligkeit des Ornamentes,wo einmal solches versucht wird; dieselbe Unbefangenheit in der Ver-wendung der seit Jahren typischen Motive aus dem Hochlandsleben zuAllem und Jedem, was sich irgendwie aus Holz darstellen lässt; diesel-ben Felsen und Gletscher, Sennhütten und Bauerhäuser, dieselben Gem-sen, Hirsche und Rinder, dieselben Lämmergeier, Birk- und Auerhühner,dieselben Bernhardinerhunde, Jäger und Senner, sie alle treten in dergewohnten Weise bald mit den Ansprüchen selbstständiger Kunstwerkeauf, bald dem Zifferblatt einer Uhr, einem Blumenglase, einem Gold-fischbecken, einem Dintenfässchen bescheidenen Raum gewährend oderein Spielwerk bergend. Daneben einige Rähmchen, Kästchen, Dosen,Chatullen zur Aufbewahrung von Schmucksachen, andere für Cigarrenoder Liqueurflaschen und Gläschen, ferner Salatbestecke, Fächer, Lese-zeichen, Serviettenringe und ähnliche Sächelchen. Leistungen vonindividueller Bedeutung traten aus dieser altbekannten Menge nichthervor. Das Mehr oder Minder des Verdienstes bemass sich mehr nachder manuellen Geschicklichkeit und Sauberkeit, mit welchem der Ein-zelne dem Allen gemeinsamen Ziele gerecht geworden, und nach derindustriellen Bedeutung, zu der er seine Werkstatt emporgehoben hatte,als nach den allgemeinen Grundsätzen des Geschmackes und des Stiles.Die von jenen Gesichtspunkten aus verdienstvollsten Leistungen warendiejenigen von Jacob Balmer und J. F. Klein in Meyringen, von J.Flück am Fluhberg, Jacob Jäger & Comp., Beide in Brienz, von ZumBrunn, Schmöker & Co. in Riggenberg und von Christ. Ritschardin Interlaken. Die beiden erstgenannten hatten unter Anderem hölzerne

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