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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.

Marqueteriearbeiten walteten vor. Zu den schönsten Arbeitendieser Art gehörten diejenigen einer angeblichenkaiserlichenFabrik in Constantinopel, von der der Katalog nichts meldete,auch sonst Näheres nicht zu erkunden war. Es waren dies eine Cassette,einige Schachbretter, ein Trictracbrett und eine Dolchscheide, sämmt-lich mit gut gezeichneten und trefflich in die einzelnen Felder gepass-ten Bandverschlingungen aus verschiedenfarbiger, zum Theil lebhaftbunter Perlmutter, welche in einen Grund von Thujaholz und mitZinnober grundirtem Schildkrot sauber eingelegt waren. Diese selbekaiserliche Fabrik hatte dann noch eine sehr schöne Thür für einenSalon des türkischen Hauses geliefert, eine reichere Entfaltung desunter Aegypten beschriebenen Getäfels.

Die in demselben Salon prunkende Garnitur von Sitzmöbeln einesMahmud Hanna aus Damaskus zeigte abendländische Formen,denen die türkische Perlmutterintarsia, mit der sie dicht überzogenwaren, durchaus nicht auf den Leib passen wollte. Diese Intarsia,welche einfache Flächenmuster Verschlingungen gebrochener Bänder,sternförmige und andere geometrische Muster, stilisirte Blumen ausgrösseren glatten Einzelstücken weisser Perlmutter ohne Gravirungoder Schattirung auf braunem oder schwarzem Holzgrunde, bisweilenmit Untermischung von Elfenbein-Linien und Plättchen zusammensetzt,fordert eben grössere, wenig gebrochene, glatte, ungeschweifte Flächen,wie sie höchstens einige unserer Schrankmöbel, keineswegs unsere Sitz-möbel darbieten, wogegen die niedrigen Tischchen, deren Platte aufeinem aus senkrechten, unten liufeisenbogig ausgesägten Brettern ge-fügten prismatischen Gestell ruht, die grossen im Orient heutigen Tagesnoch üblichen Truhen nach Art der abendländisch mittelalterlichen,die aus zwei gekreuzten Brettern gebildeten Lesepulte und andere imOrient gebräuchliche Möbelformen jene Technik begünstigen und her-ausfordern. In dieser Art hatte Mehmed Effendi in Constanti-nopel eine hübsche Truhe von Feigenholz ausgestellt, deren glatteVorderseite mit grossen Blumensträussen unter architektonischen, dochvöllig in der Fläche stilisirten Umrahmungen in weisser Perlmutterausgelegt war. Auch ein runder Tisch mit Einlagen aus Perlmutterund Schildkrot, von Aristaki in Constantinopel und einige Mö-bel von Mahmud Hanna Effendi in Damaskus (ob dieser mitdem oben erwähnten identisch, muss dahin gestellt bleiben) verdientenAnerkennung. Wie weit unsere Cultur den Orient schon beleckt hat,bewies ein Tisch des Hadji Hassan Effendi in Constantinopel,dessen Platte mit Elfenbeineinlagen in blauem und rothem Massa-fournier bedeckt war.

Neben diesen Intarsien sind noch einige von Holz in Holz erwäh-nenswer.th, in erster Beihe die hübschen Tabourets aus Olivenholz mitBuxbaumeinlagen von Teopile in Constantinopel.