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Gruppe VIII. Holz-Industrie.
Die Schnitzarbeiten, unter Anderem eine Cassette und Rahmen vonHadji Hassan in Constantinopel, hatten dem europäischen Geschmackam wenigsten Widerstand geleistet. Meist gräulich verpfuscht, warendie Stücke dieser Richtung glücklicherweise noch selten. Dass demnicht so bleiben wird, Hessen die in derselben Gallerie ausgelegtenZeichenbücher von türkischen Gewerbeschülern erkennen — das Erb-theil Jahrtausende alter Kunstentwickelung wird mit der Nachzeichnungschlechter europäischer Lithographien dem jungen Volk aus Auge undBlut getrieben!
Das Persische Reich war in dieser Abtheilung nur mit weni-gen Schnitzarbeiten, Löffeln und Kästchen vertreten. Einige Kassettenaus Birnbaumholz zeigten eine sehr geschickte Behandlung persischerOrnamente — eigenthümlicher Arabesken und Bandgeschlinge — inflachem, sauber geschnittenem Relief. Zum Theil waren diese Orna-mente auch durchbrochen gearbeitet, und dann wohl mit rothem Flit-tergold unterlegt. Als Mittelstück des Deckels dienten Darstellungenvon Thierkämpfen, ein von einer Schlange umstrickter Löwe, ein Krie-ger im Kampfe gegen eine riesige Echse. Diese Stücke stammten,wie uns der trefflich redigirte persische Specialcatalog belehrte, ausNatan. Vorzüglich als Haus-Industrie wird die Schnitzerei hölzernerScherbetlöffel, Kästchen und Dintenzeuge im Natangebirge bei Kas-chan und Abadch bei Schiras geübt. Hauptsächlich wird Birnbaum-holz, doch auch Buxholz, iinportirte Kokosschaalen und Strausseneierals Material verwendet.
Die Ausstellung Britisch-Indien’s bot in dieser Abtheilung nurAltbekanntes: geschnitzte Kästchen, und Etuis aus Sandelholz, Kastenfür Handschuhe, Briefumschläge, Spielkarten u. s. w. aus Sandelholz,welches mit einer aus Elfenbein (weissem und grün gefärbtem), Eben-und Sandelholz und weissem Metall in geometrischen Mustern zusam-mengesetzten Kruste belegt ist. Die genaue Gleichheit der einzelnen,gleichwerthigen Elemente, aus denen diese Muster bestehen, wird be-kanntlich .dadurch erzielt, dass man prismatisch scharfkantig zuge-schnittene Stäbchen der erwähnten Stoffe dem gewünschten Mustergemäss zu einem Stabe fest verleimt, von dem nun dünne Querschnittegenommen werden, deren jeder genau dasselbe Muster wie alle anderndesselben Stabes zeigt. Mit diesen Abschnitten wird dann das Sandei-Blindholz des Kästchens belegt. Der Preis dieser hübschen, und wennwir von ihrer europäischen Bestimmung absehen, auch durch fremdeZuthat noch nicht verunglimpften Arbeiten war ein erstaunlich niedri-ger. In Wien wurden die vorgedachten Kästchen für 20 bis 60 fl.verkauft. Da bei der Umrechnung in Wien die Rupie zum Thalerwurde, hätte sich der Preis in Indien nur auf zwei Drittheile jenerBeträge gestellt.