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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.

ausgehen muss, und verleitet dazu, sich ein Möbel als ein aus einemHolzklotz zurechtgeschnittenes Fabrikat vorzustellen, bei dem es einerlei,wo Querholz, wo Langholz verarbeitet wird. Wir haben in diesem undanderen speciellen Fällen wiederholt eine gegentheilige Meinung be-gründet und beziehen uns hier im Allgemeinen auf Sempers treffendeDarlegung, die Schreinerei solle die scheinbaren Mängel ihres Stoffesnicht im Widersprach mit.der Natur verhüllen, nichts der Eigenartdes Holzes Widerstreitendes affectiren. . Solche Erfahrungen zeigen dieNothWendigkeit, dass auch die technischen Handbücher die Möbel-tischler, anstatt sie gewohnheitsmässig. irre zu führen, dazu anleiteten,die Unzulänglichkeiten ihres Stoffes als die ergiebigste Quelle immerneuer formaler Hilfsmittel zu erkennen, die den Holzstil erst zu demmachen, was ihn eigentlichst kennzeichnet. In diesem Sinne trifftIL Gfrothes Bemerkung über die kunstgewerbliche Vielschreiberei derDeutschen in dessen pikanter Kritik einiger kunstgewerblichen Welt-ausstellungsschriften nicht ins Schwarze, es wird vielmehr in Deutsch-land viel zu wenig, ja eigentlich gar nichts geschrieben, was unmittel-bar ins handwerkliche Leben eingreifen könnte. Bruno BuchersGeschichte der technischen Künste versucht planmässig und nachden erschienenen Heften zu urtheilen mit gediegenster Sachkunde,feinem Kunstsinn und in anziehender Darstellung eine Lücke jenerArt in der deutschen Literatur auszufüllen, doch wendet auch diesesschöne Werk seiner Anlage und Ausstattung nach sich vorwiegend andenselben gebildeten und kunstbefreundeten Leserkreis, an dessenThüren J. Falke als Erster mit seinerGeschichte des modernen Ge-schmackes geklopft hat. Die Männer der Werkstatt harren auch indieser Hinsicht noch der Erlösung.

Aegypten. Den Uebergang von den Möbeln des Abendlandeszu den urwüchsigen Erzeugnissen orientalischer Cultur sah man in derreichen und interessanten Ausstellung von Par vis in Kairo. In demSchemata seiner Möbel knüpft Parvis mit völliger Unbefangenheit andie Formen, welche Ueberlieferung und gesellschaftliche Sitte für dieEuropäer festgestellt haben. Der Divan wird ihm zum Sopha, der inein Wandgetäfel eingelassene Schrank zum freistehenden Möbel. Inden Zierformen aber macht er mit französisch geschultem Geschmackausgiebige Anleihen bei der Ornamentik der arabischen Kunst. So kom-men denn im Ganzen Stücke zu Tage, bei denen eine geistige Verwandt-schaft mit gewissen gothisirenden Möbeln unverkennbar, welche, wiebeispielsweise die von Wolbrandt in Hamburg ausgestellten, demmodern construirien Schema Zierformen des Mittelalters als äusserenSchmuck umhängen. Dem Aegypter kamen bei seinen Versuchen aberzwei schöne technische Motive der arabischen Holzbearbeitung sehr zuStatten. Das eine ist jenes zierliche Gitterwerk, welches aus mannigfach