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Gruppe VIII. Holz - Industrie.
der Gewerbetreibende für das stilloseste Zeug das gute Geld seinerAbnehmer einsäckeln kann, wird er sich’s nickt zu Herzen nehmen,Besseres zu bieten als seine Käufer begreifen. Die Hebung des stilisti-schen Verständnisses im Publicum muss daher ganz entschieden alseine sehr wichtige Seite der Thätigkeit unserer Gewerbemuseen auf-gefasst werden. Gelingt jene nicht, so haben diese auf Sand gebauet.
In den Gewerbemuseen geschieht in der letzterwähnten Richtung,abgesehen von einigen Vorträgen, noch viel zu wenig. Die Lücke wirdeinstweilen durch die Literatur ausgefüllt. Viele treffliche Bücherwenden sich an das sogenannte gebildete Publicum, an jene selbe Zu-hörerschaft, auf welche die jetzt so schwunghaft betriebenen „populärenVorlesungen“ berechnet sind. Für den Handwerker wird wenig, vielzu wenig geschrieben. In den „Fachzeitschriften“, deren jetzt kaum einGewerbe entrathen zu können meint, und die daher aufschiessen wiedie Pilze, wiegen technische Notizen vor, oder sie sind weit mehr aufdie sociale als auf die kunstgewerbliche Frage zugespiitzt. Die Stutt-garter „Gewerbehalle“ leistet Vorzügliches, ist aber nicht hinreichendspecialisirt, um als Fachschrift einzudringen. Die Bücher aber, welchewirklich für die Werkstatt geschrieben werden, entbehren noch jedwe-den belebenden Anhauches aus jenen höheren Kreisen, in welchenJ. Falke’s „Kunst im Hause“, desselben und Julius Lessing’s Be-richte über das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung gelesenund verstanden werden. Gottfried Semper’s classisches Buch vom„Stil“ ist ihren Verfassern vollends mit sieben Siegeln verschlossen.Man lese nur die neueste sechste, von A. Graef bearbeitete Auflage von,,H. F. A. Stöckel’s Tischlerkunst in ihrem ganzen Umfange“, manvergleiche die beigegebenen kunstgewerblichen Abbildungen und manwird sich um ein Vierteljahrhundert zurückversetzt glauben. Dievon Technikern geschriebenen, auch die handwerkliche Technik behan-delnden grösseren Werke sind aber nicht besser daran als diese soge-nannten Lohr- und Hilfsbücher für das Handwerk. Auch ihre Ab-fassung ruht noch in Händen von Männern, denen sich noch keintieferes Verständniss über den intimen Zusammenhang von Technikund Kunstform erschlossen hat. Man lese, um nur ein Beispiel anzu-führen, in der neuesten (fünften) von E. Ilartig bearbeiteten Auflagevon Karin arsch’s trefflichem Handbuch der mechanischen Technologie,was daselbst über das Fournieren gelehrt wird. In der Regel, heisstes da, muss bei aufrechten Gegenständen die Zeichnung des Fourniersüber die ganze Höhe derselben ohne Unterbrechung fortlaufen; beieinem Secretär z. B. über den Sockel, die unteren Schiebladen, dieKlappe, die obere Schieblade und das Gesimse. Eine solche Vorschriftnimmt nun einerseits dem Ilolzfournier jede Eigenthümlichkeit, stelltes in eine Reihe mit ordinärstem Farbenanstrich, andererseits lehrt siedie eigenste Grundlage verkennen, von der die Schreinerei thatsächlich