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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
Intarsia in Palmholzgrund ausgezeichneten Schrankmöbel zu Grundegelegt, das durch kleinere Maasse den „Cabinetten“ sich näherte. Da-bei war aber ein wesentliches Glied ausser Acht gelassen: es fehltendie Füsse, welche die Sockelplatte über den Boden erheben. Dieser auf-fällige Mangel im Aufbau eines so hervorragenden Möbels veranlassteuns, viele der wichtigeren Möbel auf ihre Besonderheiten in dieserHinsicht zu vergleichen. Wir fanden, dass die Franzosen ihre Schrank-möbel niemals ohne sorgfältig durchgebildete imd in ein gefälligesVerhältniss zur Grösse des Möbels gebrachte Füsse lassen. Ausnahmen,wo das Möbel mit einer Sockelplatte fest am Boden haftete, sahen wirnur dort, wo eine bedeutende Grösse und Schwere des Möbels diesemohnehin den Anschein eines Unbeweglichen gaben,, mit dem die Vor-stellung der Bewegbark eit, wie sie uns durch die Füsse vermitteltwird, übel stimmen würde (Beispiel: Credenz von Gueret freres).Es verdient hervorgehoben zu werden, dass diese von richtigem tekto-nischen Gefühl zeugende Rücksicht in der englischen Abtheilung häufigvermisst wurde, z. B. an den von Jackson & Graham ausgestelltenund von Lormier und Owen Jones entworfenen Prachtschränken, diebeide mit schwerer, wenig gegliederter Platte am Boden hafteten, alsständen sie in demselben festgemauert. Hier mochte vielleicht die ver-hältnissmässig grosse. Schwere der Möbel noch einen halbwegs triftigenGrund abgeben, auffälliger war jedenfalls die Gleichgültigkeit, mit derwir die Möbelfüsse in der deutschen Abtheilung behandelt sahen: beikleinen und mittleren Schränken fehlten hier die Füsse in der Regel,während Credenzen von grössten Maassen damit versehen waren. Auchdie österreichische Abtheilung nahm hierin keinen Vorrang vor derdeutschen ein.
Abgesehen von der französischen und englischen Ahtheilung warenSchrankmöbel des beschriebenen Schemas nur ganz vereinzelt ausgestellt,in der dänischen Abtheilung von J. G. L u n d, in der österreichischen vonFranz Michel. Die Schrankform, bei der auch der untere Theilzttm Schrank geworden, war dagegen in den östlichen Galerien diehäufigere. Als die in der Natur der Sache liegende Form erschien sieauch sonst, wo immer die Grösse des Oberschrankes seiner Erhöhungauf Stützen hinderlich gewesen wäre, z. B. bei den obenerwähntenPrachtschränken von Jackson & Graham. Als charakteristischist hier wieder hervorzuheben, dass fast allen auf einige Eleganz An-spruch erhebenden grösseren Schrankmöbeln ein dreigetheiltes Schemazu Grunde lag, bei welchem der mittlere Schrank durch Vortretengegen die Seitenschränke und durch reichere Bekrönung ausgezeichnetwird, auch häufig durch Glasscheiben seinen Inhalt den Blicken zeigt,während die kleineren Seitenschränke geschlossen bleiben, um demObertheil hinreichenden Körper zu geben. Auch für die niedrigenSalonschränke war die Dreitheilung Regel (ein solcher aus ebonisirtem
Wiener Weltausstellung. III. 2. 25