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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit.

amerika, der dritte für die Türkei und Aegypten, und innerhalb jederdieser Abtheilungen ist der Unterschied so bedeutend, dass die Waare,für das eine Land bestimmt, für ein anderes gar nicht zu verwen-den ist. Eine grosse Gefahr liegt darin, dass dem Consumenten jedeGarantie für den Feingehalt der Waare mangelt, wenn auch im Allge-meinen keine geringere Legirung als lS 1 /^ Karat verarbeitet wird.

Würde Frankreich, welches bis jetzt nur in 18karatigem Goldeunter staatlicher Controle fabriciren darf, die 14karatige Legirungeinführen oder den Feingehalt freigeben, so würde dies für Pforzheimbedeutende Folgen haben. Die Ansichten der verschiedenen Bethei-ligten über eine amtliche staatliche Controle des Feingehaltes oder dasVerbot gewisser Legirungen oder die gänzliche Freigabe des Fein-gehaltes gehen sehr weit aus einander.

Wie wir sahen sind die Fabrikanten fast immer gegen eine staat-liche Controle und erblicken in derselben nur ein Geschäftshinderniss.Von anderer Seite wird dagegen wieder einer Stempelung der fertigenWaare das Wort geredet. Wir wollen hier nur auf zwei interessanteArbeiten über den Gegenstand hinweisen, auf Dr. Winklers Aufsatzüberdie Zukunft der Goldplattirung (Dtsche Ind.-Ztg. 1872, Nr. 43)und Dr. Roschers Abhandlung überdie gesetzliche Regelung derGold- und Silberverarbeitung (Grenzboten 1873 Heft 34 und 35) unddabei erwähnen, dass uns Roschers Vorschlag von der civil- undstrafrechtlich zu vertretenden Angabe des Feingehaltes Seitens des Ver-fertigers der Waare als der einzig durchführbare und praktische er-scheint.

Die wesentlichsten Fortschritte in der Fabrikation sind die bis insDetail gehende Arbeitstheilung und die Einführung des Dampfbetriebeszum Walzen, Drahtziehen, Stanzen, Drücken, Schleifen u. s. w., sowiedie grössere Solidität der Waare gegen früher. Die aus papierdünnemBlech gearbeiteten und mit Kitt ausgefüllten Gegenstände, eine wahreSchmach der Fabrikation, wahreEphraimiten, beginnen, Gottlob,zu verschwinden und soliderer Waare Platz zu machen. Ebenso istein erfreuliches Streben nach stilvolleren Formen nicht zu verkennen.Es ist schon viel nach dieser Richtung geschehen, und wenn wir auchrecht gut wissen, dass immer noch sehr viel zu wünschen übrig bleibt,erinnere man sich, dass aller Anfang schwer ist und der Producent dochauch vom Consumenten abhängig ist. Man verschliesst sich in denKreisen der Fabrikanten und der Arbeiter dieser Erkenntniss durchausnicht und wer die Berichte über die letzte Pariser Ausstellung zurHand nehmen will, der wird auch der Pforzheimer Industrie dasZeugniss bedeutsamen und grossen Fortschrittes nicht versagen können.Dabei darf hier wohl dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, dass vonSeiten der Behörden dieses Streben nach künstlerischer Ausbildungunterstützt werden möge, besonders durch Schaffung und Erhaltung