Druckschrift 
Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

Section III. Sanitätswesen.

145

dem in unseren heutigen Lazaretlizügen sieh documentirt und dementsprechend in der Ausstellung vollen Ausdruck fand. Streng jedochmuss man, um sich ein Urtheil über das vorgeführte Material zu bil-den, zwischen improvisirten und besonders für den Zweck her-gerichteten Lazaretlizügen unterscheiden. Ist es klar, dass wederder Staat, noch auch die Privat- und Hilfsvereine für die grosse Masseder Verwundeten wirkliche Sanitätszüge hinreichend zahlreichaufstellen können, man im Grossen und Ganzen vielmehr stets daraufangewiesen bleiben wird, je nach dem Bedarf Lazarethzüge zu impro-visiren, dann aber der grossen Hauptsache nach nur Güterwaggons,günstigenfalls einige Personenwagen dazu disponibel haben wird, soscheint es einleuchtend, dass die vornehmliehste Aufgabe gerade darinzu erkennen wäre, die Mängel einer Improvisation soweit als irgenderreichbar aufzuheben. Gleichwohl hat sich bis heute das Interesseder Techniker und wohl auch das des Püblicums weit mehr der Ver-vollkommnung der eigentlichen Lazarethzüge zugewendet und warenan Vorschlägen, um jedweden Eisenbahnwaggon zum Transport vonVerwundeten herrichten zu können, eigentlich nur drei vorhanden, vondenen überdies keiner eine ganz neue Idee repräsentirte.

Die einfachste Vorrichtung zeigte einer von den der französischenSociete de secours auxblesses zugehörigen Wagen, um ohne grössereVorbereitungen mit überall zur Hand befindlichen Mitteln einen Kran-kenwagen herzustellen. Sie erstreckte sich darauf, durch Nägel, Hakenund Stricke gewöhnliche Feldbahren an der Decke oder an den Wän-den zu supendiren. Die Methode wird nur zum Nothbehelfe dienenkönnen, weil die so aufgehängten Tragen, insofern sie nicht noch eineschwieriger ausführbare seitliche Befestigung erhalten, den heftigstenStösseu und Schwankungen ausgesetzt. sind. Vollkommener, jedochschon gewisse Voraussetzungen erfordernd, waren die Einrichtungen derNiederschlesisch-Märkischen Eisenbahn, und Plambecks(Hamburg), denen zufolge in Personenwagen 4. Classe und GüterwagenTragbahren mittelst Federn suspendirt werden sollen.

Alle übrigen die Herstellung von Lazarethzügen aus disponibelnEisenbahnwaggons betreffenden Muster, die in stattlicher Zahl und inansprechender zum Theil sogar eleganter Ausführung zur Schau gebrachtwaren, setzen mehr oder minder constructiv vorbereitete Fahrzeugevoraus.

Sie gruppirten sich in folgender Weise:

a. Lazarethzüge aus Personenwagen 4. Classe gebildet.

Die Direction der Niederschlesisch-Märkischen Eisen-bahn (Berlin) gab zwei Modelle von Personenwagen als Sanitätswagen(einen Krankentransport- und einen Küchenwagen), wie solche im letztenKiiege durch die Professoren Virch owund Esmar ch in Anwendung ge-

Wiener Weltausstellung. III. 2. 10