Druckschrift 
Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

146

Gruppe XVI. Heereswesen.

kommen sind. Gemäss den für Norddeutschland schon seit Jahrenbestehenden Bestimmungen, einen gewissen Theil der Bahntransport-mittel nach bestimmten, die Umwandlung für Sanitätszwecke begünsti-genden Principien herzustellen, waren diese Fahrzeuge einerseits, umdie Intercomniunication im Zuge sowie das Ein- und Ausladen der Ver-wundeten zu erleichtern, mit Stirnthiiren und Perrons, andererseitsaber, um die Suspension der Lagerstellen zu erleichtern, mit vier stabi-len eisernen Pfeilern und Haken versehen worden, an welche demnächstmittelst sogenannter Evolutenfedern und Lederringen *) die reglemen-tare Feldtrage befestigt werden soll. Die gesammte an den Waggonsvorzunehmende Arbeit beschränkt sich für den Gebrauchsfall mithindarauf, die Haken ihrer Verschalung zu entkleiden. Die Lagerungder Kranken ist hier eine erprobt gute, wie sie kaum in einem wirk-lichen Sanitätswagen besser verlangt werden könnte. Raum und Lichtsind genügend vorhanden, höchstens wäre noch eine bessere Ventilationzu wünschen.

b. Lazarethzüge aus Güterwagen.

1. Bonnefond, Director der französischen Eisenbahngesellschaftzu Paris, zeigte in einem glänzend ausgestatteten, acht Waggons um-fassenden Eisenbahnzuge, mit welcher Vorliebe und mit welchem Talenter sich der Aufgabe unterzogen, nach den Angaben des Professorsv.Mundy und des Ingenieurs Leon (Lyoner Eisenbahngesellschaft)einen Lazarethtrain für den französischen Hilfsverein zu construiren.Der Zug enthielt: 1 Waggon für Aerzte, 1 Magazinwagen, 1 Approvi-sionirungswagen, 1 Küchenwagen und 4 Ambulancewagen, sämmtlichreich ausgestattet. Wenngleich das persönliche Verdienst des HerrnBonnefond um die im Allgemeinen auf richtige Principien basirte Her-richtung der Fahrzeuge alle Anerkennung verdient, so kann doch anderer-seits der über das Maass des Nothwendigen angebrachte Luxus nichtgebilligt werden. Ein Blick in den für die Aerzte bestimmten Wagenmit seinen vier Kabinen, Fauteuils, Kleiderschränken , Teppichen unddergleichen wird das bestätigen.

Die Waggons (mit Ausnahme des für Aerzte und des Küchen Wagens)und das wäre wohl einer der grossen Vorzüge des Trains, sollen ge-wöhnliche , nur entsprechend modificirte Güterwaggons nach einemModell gefertigt sein, wie es Seitens der französischen Eisenbahngesell-schaften neuerdings acceptirt worden ist, um derartige Fahrzeugeauch für Lazarethzüge benutzen zu können. Der Zweifel jedoch, obeinzelne dieser Modificationen nicht zu erhebliche und (von der Kost-

l ) In erster Zeit wurden nach amerikanischem Muster Gummiringe be-nutzt, die sich jedoch schlecht bewährten.