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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Gruppe XVI. ITeereswesen.

Die Vorderladung für Feldgeschütze bringen gegenwärtig in An-wendung: England, Frankreich, Oesterreich, Schweden und Nor-wegen. Der Hinterladung bedienen sich: Deutschland, Russland,Italien, Spanien, die Schweiz, die Türkei und andere mehr.

Wohl lässt sich voraussehen, dass der Hinterlader in nicht zu lan-ger Frist, gleichwie es ihm gelungen ist, im Bereiche der kleinenFeuerwaffen und im Gebiete des Festungs- und Seekrieges die Herr-schaft zu erringen, so auch die ungetheilte Verwendung im Felde fin-den wird. Seine Nachtheile knüpfen sich zumeist an einzelne construc-tive Unvollkommenheiten, für welche die vorschreitende Technik baldgeeignete Abhilfe gefunden haben wird.

Auch über manche andere Frage hinsichtlich des Zweckmässigstenfür Feldgeschütze gehen die Ansichten noch aus einander, so über dieAuswahl der Kaliber und die damit in Verbindung stehenden Einrich-tungen, welche für Erzielung rasanter Flugbahnen unter Festhaltungmöglichster Beweglichkeit der Geschütze in Betracht kommen. Ausdem durch die mannigfachen Versuche gewonnenen reichen Materialsind aber gewisse gemeingültige Fortschritte schon erwachsen: diewesentliche Verbesserung der Munition, die Herstellung einfacher, hand-licher Laffetten, die Verwendung des Eisens für letztere und für dieFahrzeuge etc.; wichtigere noch wird die Nächstzeit aus den im voll-sten Gange befindlichen Untersuchungen zu Tage fördern.

Als einer Feldgeschützart, die so recht eigentlich hinsichtlich der Pha-sen ihrer Entwickelung und Verwerthung dem letzten Quinquennium an-gehört, der wohl aber nur ein vorübergehendes Dasein zu fristen bestimmtsein dürfte, sind die Mitrailleusen und Revolverkanonen zu er-wähnen. Die Idee zu diesen in ihrer beschränkten, einseitigen Wirk-samkeit kaum noch der Artillerie einzureihenden Kartätschfeuerwaffenist sehr alt (wie die in unseren Zeughäusern vorhandenen ähnlich ge-bauten Orgelgeschütze bezeugen) und nur .von Zeit zu Zeit von einzel-nen Constucteuren wieder aufgenommen worden. Auch im amerikani-schen Bürgerkriege sind solche Waffen zur Verwendung gekommen,ohne sich aber besondere Geltung verschafft zu haben. Bedeutsam-keit gewann die Sache erst als Napoleon III. sich derselben annahm,indem er das von dem belgischen Waffenfabrikanten Montigny schonin den fünfziger Jahren hergestellte und mehr und mehr verbesserteKartätschgeschütz im Jahre 1867 in Vincennes erproben und dann mitgeringen Modificationen in der französischen Armee einführen liess. Eixrähnliches Geschütz war 1859 von dem Amerikaner Gatling erfundenund schon in der Pariser Ausstellung 1867 vorgeführt worden. DasVorgehen Frankreichs, der Werth, der dort dem geheimnissvoll be-handelten Geschütze beigelegt wurde, wirkten anregend; bald tauch-ten eine Menge ähnlicher Modelle auf. Doch haben sich die beidenObengenannten, welche gleichzeitig die beiden Systeme der Kartätsch-