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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Section II. Allgemeine Bewaffnung etc.

Für militairisclie Zwecke waren die von der belgischen FabrikBayet, von der französischen Firma Galand, und die von dem öster-reichischen Hof- und Armeewaffenlieferanten Gasser auf die Aus-stellung gelieferten Revolver die bemerkenswerthesten.

Auch das Geschützwesen ist in den Jahren seit der Pariser Ex-position von 1867 rüstig vorwärts geeilt. Für alle seine Zweige für dieFeldartillerie, für dieFestungs- und Belagerungsartillerie,für die Marine- und Küstenartillerie können ansehnliche Fort-schritte constatirt werden. Noch steht aber die Entwickelung, so sehrsie im Einzelnen auch gefördert sein mag, im Ganzen hinter der derkleinen Feuerwaffen zurück. Manche Hauptfrage, so namentlich imBereiche der Feldartillerie, harrt noch der durchgreifenden Lösung.Der Feldzug von 1859 in Italien brach den gezogenen Geschützendie Bahn, und alle die nachfolgenden kriegerischen Actionen habendas Uebergewicht derselben über die glatten Rohre nur um so klarerfestzustellen vermocht.

Die Entscheidung aber, ob unter den gezogenen Geschützen derVorder- oder der Hinterlader den Vorzug verdiene, steht noch immeraus; für und wider halten sich die Wage. Der Vorderlader besitzt vorallem die für den Gebrauch im Felde so nothwendige Einfachheit undSolidität, welche dagegen dem Rücklader, dessen Verschlussmechanismusund Liderung complicirt sind, weniger zu eigen. Diesem gebührtjedoch der Vorrang in Bezug auf Treffsicherheit und Geschosswirkung.Die Erfahrungen des letzten Feldzuges haben für beides Beläge gelie-fert. Der überlegenen Treffsicherheit ihrer Hinterladungsgeschützeverdankte die deutsche Artillerie einen guten Theil ihrer Erfolge inden Actionen jenes Krieges J ), aber es traten auch die Mängel hervor,welche sich an zusammengesetzten Verschluss und ungenügende Dich-tungknüpfen: bei anhaltendemFeuernhäufigvorkommendes Un brauch-?barwerden der Geschütze (Ladungsbehinderung in Folge starkerVerschleimung und Ausbrennen des Verschlusses). Der Doppelkeil mitKupferliderung war diesen Uebelständen mehr unterworfen als derKolbenverschluss mit Pressspahnboden.

So sind denn zur Zeit noch beide Constructionen in Benutzung,je nachdem man in den verschiedentlichen Artillerien die eine oder die; andere der eben erwähnten Eigenschaften als Grundbedingung für den: Feldgebrauch ansieht. In beiden Richtungen hat man versucht, durch

zweckentsprechende Abänderungen die Nachtheile der Systeme so viel' als möglich zu beseitigen, und sind interessante Beispiele dafür in derAusstellung vorhanden.

x ) S.:Der deutsch-französische Krieg 1870bis 1871, herausgegeben vompreussischen Greneralstabe, 5. Heft, S. 612, Schlacht von Vionville, Mars laTour u. a. m.