Druckschrift 
Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Section I. Truppenausrüstung und Bekleidung.

17

1 Grenadier des Regiments von Kexholm, Kaiser von Oesterreich, mitreichen gelben Rabatten,

1 Linieninfanterist vom 34. Regt. Sevsk, Kronprinz von Oesterreich,

1 Dragoner vom 9. Regt., Kasan, Erzherzog Leopold,

1 Ulan vom litthauisclien Regt. No. 5, Erzherzog Albrecht,

1 Husar vom 8. Regt., Lübn}', Erzherzog Carl Ludwig,

1 Artillerist von der reit. Batterie, Erzherzog Wilhelm, der 7. Brigade.

Das zu den Montirangen verwendete Tuch ist derb und im All-gemeinen gut. Der Schnitt der Uniformen kommt dem der preussischensehr nahe. Die Mäntel von dem bekannten grauen, starken Tuchesind zwar etwas grob und schwer (an 4 Pfund wiegend), aber den kli-matischen Verhältnissen des Landes vollkommen entsprechend. IhrPreis beträgt 6 Thlr., die Tragezeit 3 Jahre.

Zum Mantel wird unter Umständen noch ein Capuchon von hell-braunem Kameelhaartuch, das gut gegen Nässe schützt, getragen. Diekleinen, bei aufgestecktem Haarbusche sehr kleidsamen Tuchmützen,innen mit Manteltuch, oben mit lackirtem Leder überzogen, bildenjetzt die gewöhnliche Kopfbedeckung des russischen Soldaten.

Die Hemden sind aus grober, halbgebleichter Leinwand gefertigt.Patronentaschen und Kartuschen werden aus ungeschwärztem Ledersehr sauber gearbeitet, sie scheinen aber etwas flach zu sein.

Besondere Beachtung verdienen die schönen, hohen, durch Maschi-nenarbeit aus Juchten hergestellten Stiefel. Das Leder wird doppeltgenäht, die Narbenseite nach aussen gekehrt, die Sohlen sind dünn abergehärtet. Die Tragezeit der Stiefel soll 1 Jahr betragen, nach Ablaufvon 6 Monaten werden Vorschuhoberleder und Sohlen gewährt. DerPreis eines solchen Paares hoher Stiefel übersteigt um Einiges dieSumme von 5 Thlr.

Der Gtebrauch von Maschinen ist in den russischen Bekleidungs-werkstätten sehr ausgedehnt. Die gebräuchlichsten derselben wohlan 25 verschiedene Arten-waren durch photographische Abbildungenin einem ausgelegten Album veranschaulicht. Einige der hauptsäch-lichsten Maschinen (System Calbeau) fanden sich auch in natura inder Maschinenhalle von dem Fabrikanten Leon Castilion (St.Peters-burg) ausgestellt, darunter zwei Arten Nähmaschinen (für grobe undfeinere Stoffe) und mehrere Stiefelanfertigungsmaschinen. Unter diesenschienen bemerkenswerth, ausser den eigentlichen Ledernähmaschinen,eine Biegemaschine, eine Sohlenverstärkmaschine, eine Holzstiftschneide-undeineHolzstifteinschlagemaschine. DieCastillonscheNähmaschinen-fabrik ist eine der bedeutendsten Russlands, sie beschäftigt 500 Arbei-ter und fabricirt jährlich 1500 bis 2000 Maschinen.

Zu beachten war ferner auch noch der neu eingeführte Infanterie-tornister aus einem vorzüglichen festen, groben, aussen schwarz ge-färbten Flachsgarngewebe, das durch eine besondere Behandlung völligwasserdicht gemacht worden ist. Der Tornister besteht sehr praktisch

Wiener Weltausstellung. III. 2. 2