15
Section I. Truppenausrüstung und Bekleidung.
Im äussersten, reich mit Fahnen und Wappen drapirten Theile derungarischen Ausstellungsgallerie war in der Mitte durch eine reich-haltige, malerisch zusammengesetzte Figurengruppe von Ilonvedsolda-ten, Pferden, Mitrailleusen, Waffen und Ausrüstungsstücken eine leben-dige Scene aus dem Feld- und Lagerlehen vorgeführt, die sich um einenHügel schaarte, von welchem ein stattlicher Fahnenträger das National-banner hoch emporflattern liess. Zur Ausschmückung der Wände desRaumes dienten Uniformstuche, Uniformen, Wäsche, Ausrüstungsstückeund Waffen, zum Theil in grossen Schaukästen ausgestellt.
Das Bestreben des ungarischen Landesvertheidigungsministeriums,dem die Honved unterstellt ist, geht offenbar dahin, die Bezugsquellenfür Bewaffnung, Bekleidung und Ausrüstung in der engeren HeimathUngarn zu suchen. So werden denn alle Bedarfsstücke für die Land-wehren aus dem Inlande entnommen und ist alles bereits derart ein-gerichtet, dass unter normalen Verhältnissen monatlich 30 000 bis 35 000Mann bekleidet werden können. Trotzdem möchten die Erzeugnissein Wahrheit kaum Landesproducte zu nennen sein, denn es sind vor-zugsweise namhafte deutsch-österreichische Häuser und Fabriken,welche in ungarischen Filialen sich der Herstellung unterziehen. Einsder Hauptetablissements, welche für die Honved liefern, ist die all-gemeine österreichische Bank. Sie hat die Anfertigung derBekleidungsstücke übernommen und dafür eine besondere Tuchfabrikin Pressburg eingerichtet.
Die ausgelegten Mäntel- und Blousentuche für Infanterie erschie-nen etwas leicht, die Manteltuche für Cavallerie waren im Allgemeinengut, hatten aber wohl etwas in der Farbe gelitten. Das Nähen derKleidungsstücke geschieht ausserhalb der Fabrik, auch werden dieLeinenwaaren aus Käsmark bezogen.
Die Uniform der Honveds ist der nationale dunkelblaue, bei derCavallerie mit Pelz verbrämte Schnurattila.
Die Infanterie trägt eng anliegende rothe Hosen und Schnürschuhe,die Cavallerie hohe Stiefel und weite überfallende rothe Pluder-hosen. Es ist damit ein Gegensatz ausgesprochen gegen den Beklei-dungsmodus anderer Armeen. Die eng anschliessende Tuchhose magkleidsame, nationale Tracht sein, an die sich der Ungar von Jugendauf gewöhnt hat, aber als praktisch zum Feldgebrauche fürFuss-truppen möchte sie nicht erachtet werden können.
Unter den übrigen Ausrüstungsstücken bemerkte man einfache,nur mit einem Hakenverschluss versehene Patronentaschen, dannInfanterietornister aus Leinwand gefertigt, innen mit wasserdichtemWachstuch ausgekleidet, mit einem runden Speisenapf und einem klei-nen Kochgeschirr versehen.