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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

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Steinsalz und Kalisalze (Bromgewinnung).

Stassfurt, Leopoldshall und Umgegend. Das Salzlager 1 ) inStassfurt und Leopoldshall ist dem Buntsandstein, seinem Deckgebirge,sowohl nach Streichen als nach Fallen stets conform gelagert. Unterdem Gyps- und Anhydritlager folgt der für das ganze Lager charak-teristische schwarzgraue Thon mit Steinsalzeinschlüssen, 27 m mäch-tig, und in 256 m Tiefe im preussischen (bei 150 m im anhai-tischen) Salzschacht beginnt das grosse Salzlager mit abwechselndenSchichten von Stein- und Kalisalz, die mit 44 Grad gegen Süd westeinfallen. Das hängendste Glied, die Carnallitregion, d. h. die Kali-salzabtheilung, besteht aus abwechselnden Schichten von Carnallit,Kieserit und Steinsalz und ist 42 Meter mächtig. Die darunter folgende,56 Meter mächtige Kieseritregion besteht aus Kieserit (wasserhaltigemschwefelsaurem Magnesium), mit Steinsalzhänken abwechselnd; darunterliegt die 63 m mächtige Polyhalitregion, Steinsalz, durch wenig Magne-sium- und Kaliumsalze verunreinigt mit Polyhalitschnüren; darunterfolgt das reine Steinsalz mit Anhydritschnüren, die Anhydritregionvon 215 m Mächtigkeit. An dem Ausgehenden der Carnallitregiontritt an die Stelle der Schichtenfolge von Carnallit, Kieserit und Stein-salz das 1865 in Leopoldshall gefundene, als Kainit bezeichnete Salz,jedoch innig mit Steinsalz gemengt auf. Kainit ist K 2 S0 4 -j- MgS0 44- Mg Cl 2 6 aq; die durchschnittliche Zusammensetzung des Salz-gemenges enthält 25 p. C. schwefelsaures Kalium.' Im Ansteigen wirddas Kainit-lager durch zunehmenden Chlornatriumgehalt unbauwürdig.Auf dem Südflügel liegt im Kainit eine anscheinend linsenförmige Ein-lagerung eines Salzgemenges aus Steinsalz, Sylvin und Kieserit, inStassfurt alshartes Salz bezeichnet, dessen Verwendung trotz viel-facher Versuche bis jetzt nicht vollkommen gelungen ist. Beide Salz-gemenge sind höchst wahrscheinlich auf nassem Wege vorgegangeneUmbildungen der Salze der Carnallitregion.

Ostnordöstlich von Stassfurt am linken Ufer der Bode hat dieBohrung der Herren Riebeclt, Lehmann und G. Bischof die Fort-setzung des Salzlagers nachgewiesen. Bei 241'5 m wurde zuerstgesättigte reine Soole erbohrt, in grösserer Tiefe fand sich ein Kali-gehalt.

Bei den Bohrungen des Grubenfeldes Agathe im Norden undNordwesten des Stassfurter fiskalischen Grubenfeldes, etwa zwischenStassfurt und Unseburg, ist ein wohl dem Hangenden des Stassfurter

*) Prietze, Zeitsclir. für Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preuss.Staate XXI, 119, 1873; vergl. auch S. 351 dieses Berichtes.