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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

7 Gebläseflammen bewerkstelligt wurde, erforderte kaum l 1 /^ StundenZeit; es wurden verbraucht 31 cbm Sauerstoff und 24 cbm Leuchtgas.Der glückliche Erfolg dieser Operation ist nach dem Berichterstatternicht ohne Interesse für die Metallurgie überhaupt; unzweifelhaft dürftefür dieselbe in vielen Fällen die Anwendung ähnlicher Methoden vonVortheil sein.

Anwendungen der Platinmetalle. Ausser zur Darstellungvon Legirungen mit Platin sind noch die folgenden Vorschläge, diePlatinmetalle technisch zu verwenden, gemacht worden:

Palladium. Legirungen des Palladiums linden nach Cox 1 )Anwendung zur Herstellung von Spitzen der Bleistiftröhren, Lancetten,als Ersatzmittel des Goldes in der Zahntechnik und besonders zur Her-stellung der graduirten Scalen an astronomischen Instrumenten. DasPalladium ist für den letzteren Zweck durch seine Unveränderlichkeitund dem Silber ähnliche Farbe geeignet. In England werden vielfachversilberte Metallwaren mit einem dünnen Uebcrzug von Palladiumversehen, welches der Schönheit der Farbe keinen Eintrag thut unddurch die Einwirkung von Schwefelwasserstoff nicht anläuft 2 ). DurchNiederschlagen von Palladium auf Glas hat man in ähnlicher Weise,wie durch Platin, Palladiumspiegel hergestellt 3 ). Böttger 4 ) empfiehlteine möglichst säurefreie Lösung von Palladiumchlorür als ausgezeich-netes Keagens auf Leuchtgas, Kohlenoxyd, Grubengas und Aethylen.Halbfeuchte Streifen von Leinen oder Baumwolle, welche mit einermässig concentrirten Lösung von Palladiumchlorür getränkt sind,färben sich in Berührung mit jenen Gasen (auch mit Wasserstoff, je-doch langsamer) intensiv schwarz. Das Palladium hat durch eine vonGraham?) gemachte Beobachtung in neuerer Zeit das Interesse derChemiker und Physiker in hohem Grade in Anspruch genommen. DieserForscher fand nämlich, dass das Palladium als negative Elektrode einerBatterie von 6 Bunsenschen Elementen bedeutende Mengen Wasser-stoff im ungefähren Verhältniss des 200fachen seines eigenen Volumsabsorbire. Bei gewöhnlicher Temperatur zeigt der so gebundeneWasserstoff keine Spannung, er entweicht im Vacuum nicht; dagegenwird er beim Erhitzen auf 100° und wenn das Metall als positiveElektrode in eine Zersetzungszelle, eingeschaltet wird, vollständig aus-getrieben. Graham ist der Ansicht, dass das mit Wasserstoff beladene

!) Cox, Plail. Mag. 1843, 16; Dingl. pol. J. LXXXIX, 385. 2 ) Mus-

pratt-Kerl, techn. Chem. 1869, IV, 924. 8 ) Vasserot, Dingl. pol.

J. CLIII, 42. 4 ) Böttger, Dingl. pol. J. CDU, 76, aus Jahresber. des

pliysik. Ver. zu Frankfurt a./M., 1857/58. 8 ) Graham, London B. Soc.

Proc. XVI, 422; XVII, 212; Ann. Chem. Pharm. VI, Suppl. Bd. 284; OL, 353;CLII, 168; Dingl. pol. J. CXCI, 210, 382.