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Gruppe III. Chemische Industrie.
Die Entsilberung des Bleies. Wie bekannt, entstammt eingrosser Tlieil des Silbers nicht sowohl eigentlichen Silbererzen, alsvielmehr silberhaltigem Bleiglanz, so dass die Scheidung beider Metalleein wichtiger metallurgischer Process ist. Diese Scheidung erfolgt seitJahrhunderten durch das Abtreiben, einen oxydirenden Schmelz-process, welcher das Blei in Oxyd, Bleiglätte, verwandelt und in Deutsch-land auf festen Herden unter einer beweglichen Haube, in England aufeinem beweglichen Herde (Test) ausgeführt wird.
ln der Regel ist das aus den Schmelzprocessen resnltirende silber-haltige Blei (Werkblei) arm an Silber. So enthält dasjenige der Ober-harzer Hütten 1'4 bis 1'7 Tausendtheile Silber. Das Abtreiben armerWerke, welche man in einem Armtreiben zuvörderst concentrirt, bevorman das Product mehrerer solcher Arbeiten vollends abtreibt, giebt zueinem bedeutenden Verlust an Blei und Silber Anlass, und ist deshalbbei sehr armen Bleien überhaupt nicht ausführbar. Die Grenze istetwa V 4 Tausendtheil Silber.
Es sind nun fast vierzig Jahre verflossen, seit Hugh Lee Pat-tinson auf einen neuen Weg geleitet wurde, um geringe Silber-mengen in einer kleineren Bleimenge zu concentriren und dadurch ihreScheidung ökonomisch möglich zu machen. Es ist dies das Krystalli-sationsverfahren, nach seinem Erfinder das Pattinsoniren genannt.Wie bekannt, beruht dieses interessante Verfahren darauf, dass beilangsamer Abkühlung grösserer Mengen geschmolzenen silberhaltigenBleies sich Krystalle bilden, welche silberärmer als das ursprünglicheBlei sind, so dass der flüssige Theil im Verhältniss silberreicher wird.Durch Ausschöpfen der Krystalle, Einschmelzen und wiederholte Kry-stallisation, so lange eine solche eintritt, gelangt man schliesslich zufast entsilbertem Blei, gleichwie dasselbe Verfahren, auf die flüssigenAntheile angewandt, schliesslich zu einem Reichblei führt, welches demAbtreiben mit Vortheil unterworfen werden kann. Pattinson’s Me-thode verbreitete sich von England aus rasch über den Continent undhat mehrfache theoretische Diseussionen des zu Grunde liegenden Prin-cips hervorgerufen, der Erscheinung nämlich, dass silberärmeres Bleieinen höheren Erstarrungspunkt hat als silberreicheres, ohne .jedocheine genügende Erklärung zu liefern.
Pattinson’s Concentrationsmethode ist heutzutage an vielen Ortenwieder aufgegeben, nicht wegen ihrer Mängel, sondern weil inzwischenein anderes Verfahren sich als vortheilhafter erwies. Dies ist dieZinkentsilberung, welche im Jahre 1842 von Karsten aufgefundenwurde. Der berühmte deutsche Metallurg überzeugte sich, dass silber-haltiges Blei durch Zink fast vollständig entsilbert wird. Bekanntlichschmelzen Blei und Zink nicht in jedem Verhältniss zusammen, sonderngeben zur Bildung von zwei Legirungen Anlass, eines bleihaltigenZinks und eines zinkhaltigen Bleies, in denen das Blei resp. Zink hoch-