928 ' Gruppe III. Chemische Industrie.
der Flammofenprocess seit zehn Jahren eingeführt ist, enthalten dieRückstände 40 p. C. Blei und das Bleiausbringen stellt sich auf 87'5p.C.
Yon grosser Bedeutung sind in neuerer Zeit die Bleiwerke derRheinprovinz geworden, welche zum Theil den im bunten Sandsteineingesprengten Bleiglanz der Eifel verhütten und im Jahre 186839 753 650 Kg Erze zu Gute machten, denn der Bleiberg von Commernhat allein mehr als 22 Milk davon geliefert. Auf den Hütten vonMechernich und Münsterbuseh hei Stolherg werden die Erzschliche aufdem 30 in langen Herd eines und desselben Flammofens, nachdem siedie Röstperiode durchlaufen haben, zum vollkommenen Schmelzen ge-bracht, und das Product, eine braune glasige Masse, wird sodann abge-stochen. Dieselbe enthält noch etwa 1 p. C. Schwefel, entsprechend 7bis 8 p. C. Bleiglanz und wird über Schachtöfen verschmolzen, indemman sie mit 50 p. C. Eisenfrischschlacken und 50 p. C. Kalkstein be-schickt. Die Producte sind Blei, Bleistein und Schlacken, von denenjener, da er etwa 10 p. C. Blei enthält, wiederholt geröstet und ge-schmolzen wird, bis der Bleigehalt des zuletzt fallenden Steins nurnoch 2 p. C. beträgt.
Dieses Verfahren ist durch die wesentliche Beimengung von Quarz-substanz in dem Erzschlich bedingt, in Folge dessen auf dem Herddes Ofens ein leicht schmelzbares Bleisilicat entsteht. Offenbar wirktdie Kieselsäure sehr kräftig zur Entfernung des Schwefels. Die Zer-setzung dieses Bleisilicats durch basische Schlacken, durch die Oxydedes Eisens und durch Kalk unter Mitwirkung der Ofengase ist leichtzu verstehen.
Die Niederschlagsarbeit. Das Princip dieses Verfahrens istbekanntlich die Zerlegung des Schwefelbleies durch Eisen. Die Erfah-rung hat jedoch gezeigt, dass die Zerlegung niemals vollständig ist,und Versuche von Nolte ergaben, dass im günstigsten Fall n /i 2 desBleies erhalten werden, so dass in jedem Fall die weitere Verhüttungdes Bleisteins ein wesentlicher Theil des Processes ist.
In seinen Hauptpunkten ist derselbe lange Zeit unverändert ge-blieben. In neuerer Zeit hat man indessen sowohl das Verfahren selbstals auch die Construction der Oefen ganz wesentlich modificirt, wovonder Oberharz wohl das interessanteste Beispiel liefert.
Der alte und mit Recht berühmte Bergbau des Harzes fördertBleiglanz, dessen Gangvorkommen die Gegenwart von Schwefelkies,Kupferkies, Zinkblende, Fahlerz, Bournonit etc. bedingt, so dass ausserdem Silbergehalt Kupfer, Zink, Antimon eine gewisse Rolle spielen.Seit langer Zeit wurden die Erze in Schachtöfen (Hohöfen) dem Schlich-schmolzen unterworfen, der dabei fallende Stein wurde wiederholt ge-röstet und geschmolzen, bis er nach Abscheidung eines Theils Blei soreich an Kupfer erschien, dass er als Kupferstein in die sogenannte