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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

grossartigstem Maassstahe ausgeführt. Die Verwüstungen jedoch, welchedie Säuredämpfe in der umliegenden Vegetation anrichten, zwingen dieHüttenhesitzer immer mehr, diese Uehelstände zu beseitigen. Es ist zuerstDr. Hasenclever, Generaldirector der chemischen Fabrik Rhenaniazu Stolberg gewesen, welcher in den fünfziger Jahren Versuche anstellte,die aus den Flammöfen entweichende schweflige Säure behufs Darstel-lung von Schwefelsäure in die Bleikammern zu leiten, Versuche, diejedoch im grossen Ganzen fehlschlugen. Die Schwierigkeit, mit derdie Blende abröstet, verlangt, dass dieselbe erstens im feingekörntenZustande sich befinden und zweitens während des Röstprocesses fort-während umgerührt werden muss, ein Umstand, durch welchen einezu grosse Menge atmosphärischer Luft den Schwefelsäurekammern zu-geführt wurde.

Um diese Uehelstände zu beseitigen, wurde der von Gersten-höfer construirte Ofen zum Rösten der Blende empfohlen und solcherauf der chemischen Fabrik Rhenania auch eingeführt, jedoch wiederaufgegeben, indem die Abröstung nur unvollständig erfolgte, eine grosseMenge Flugstaub auftrat und nach Untersuchungen von Trainer 1 )eine zu grosse Menge von schwefelsaurem Zink gebildet wurde.

Von Hasenclever und Helbig 2 ) ist nun speciell für das Röstender Blende ein Ofen construirt, der nach manchen Wandlungen sich inder heutigen Gestalt in der Praxis bewährt hat und überall, wo ereingeführt ist, zufriedenstellende Resultate giebt. Derselbe besteht auseiner unter 43 Grad geneigten Platte, auf der das Erz von oben nachunten geführt wird, um von hier aus in eine horizontale Muffel zugelangen, aus welcher es schliesslich auf die Sohle eines Flammherdesfällt und dort den Feuergasen direct ausgesetzt wird. Letztere streichendemgemäss zuerst über die fast abgeröstete Blende, umspülen hieraufdie Muffel und gehen dann unter der geneigten Plätte von unten nachoben, wo angekommen sie nach der Esse geführt werden. Die auf dergeneigten Platte und in der Muffel gebildete schweflige Säure wird indie Bleikammern geleitet, die auf dem Flammherde gebildete geht mitden Feuergasen in die atmosphärische Luft.

In der chemischen Fabrik Rhenania werden Blenden abgeröstet vondurchschnittlich 25 p. 0. Schwefelgehalt. Von diesen 25 p. C. gelangenals schweflige Säure 18 p. C. in die Kammern, 6 p. C. entweichen indie atmosphärische Luft und 1 p. C. bleibt in dem Röstgut.

Die Zinkwerke des Märkisch-Westfälischen Bergwerkvereins zuLethmathe, welche ebenfalls den Hasenclever-Helbigsehen Ofen

*) Trainer, Zeitschr. des Vereins deutscher Ingenieure 1868, 686; Wagn.Jahresber. 1870, 143. 2 ) Hasenclever und Helbig, Zeitschr. des Vereins

deutscher Ingen. 1872, 505. Vergl. auch den Aufsatz über Fabrikation derSchwefelsäure v. R. Hasenclever, S. 162 d. Berichtes.