Ueber Zusammensetzung und Darstellung des Glases. 715
den Sulfatzusatz um 50 p. C. vermindern kann. Dieses sehr günstigeErgebniss ist höchst wahrscheinlich der Leichtschmelzbarkeit desFluorcalciums zuzuschreiben, welches im Verein mit dem Sulfat schneller,als dies bei den gewöhnlich benutzten Glassätzen der Fall ist, dieAufschliessung der schwer schmelzbaren Bestandtheile des Satzesbewirkt.
Kryolith direct dem Satze für Milchglas beizufügen hat man, wieWeiskopf 1 ) berichtet, schon seit einiger Zeit in mehreren böhmischenund schlesischen Glashütten versucht und bewährt gefunden, i
E. T. Ellis 2 ) stellt ein sehr schönes, gut form- und leicht schleif-bares Milchglas aus 1 Thl. Kryolith und 2 bis 4 Thln. Quarz dar;er nennt dasselbe Hot cast porcelain. Benrath 3 ) hat dasselbe unter-sucht und in demselben 67 p. C. Kieselsäure, 11 p. C. Thonerde, 20 p. C.Natron gefunden. Dies stimmt jedoch nicht mit der gleichzeitig veröf-fentlichten Analyse von Williams 4 ) überein; denn dieser fand neben63'8 p. C. Kieselsäure, 7'86 p. C. Thonerde und 10’51 p. C. Natronnoch 7 p. C. Zinkoxyd und 8 p. C. Fluor, so dass er sich veranlasstsieht, dieses Rryolithglas als ein Zink-Natron-Thonerdesilicat anzusehen,dem Kieselfluornatrium als Ersatz des Calciumphosphates beigemengt sei.(Vergl. S. 675 d. Ber.)
Wie übrigens W*'J. Cheyney 5 ) berichtet, kann ein dem Hot castporcelain sehr ähnliches Glas durch Anwendung von Flussspath anStelle des Kryoliths erzeugt werden.
Zur Beseitigung der lästigen Gase bei der Kryolithglasfabrikationschlägt Benrath G ) vor, das entwickelte Fluorsilicium in Kammern zuleiten und dort mit Wasser in Berührung zu bringen, wodurch Kiesel-fluss- und Kieselsäure gebildet werden. Letztere ist wie schon 1867Gossage empfohlen hat, ein gutes Material für die Wasserglasfabri-kation. Noch seien als neue Materialien für die Glasindustrie der von0. Schür 7 ) für die Milchglasfabrikation vorgeschlagene Bakerguano,die von Schwarz 8 ) für ordinäres Flaschenglas empfohlenen mangan-haltigen Hochofenschlacken, fenfer die durch Kalk gefällten Rückständevon der Chlorkalkfabrikation als Ersatz des Braunsteins erwähnt.Bane Pasteur & Co. in Rachec 9 ) verwenden statt Kalkstein denKalkabsatz der Zuckerraffinerien für Fenster- und Flaschenglas.
*) Weiskopf, Dingl. pol. J. CLXXXIX, 180. Wagn. Jahresber. 1868,371.
2 ) E. T. Ellis, Chem. News 1868, No. 423, 173. Dingl. pol. J. CLXXXVIII,
340. Wagn. Jahresber. 1868, 370. 3 ) Benrath, Dingl. pol. J. OXCII, 239.
Wagn. Jahresber. 1869, 329. 4 ) C. P. Williams, Chem. News. 1869.
No. 502. 23. Dingl. pol. J. CXCII, 412. Wagn. Jahresber. 1869, 331.
6 ) W. J. Cheyney, Wagn. Jahresber. 1869, 332. 6 ) Benrath, Wagn.
Jahresber. 1869, 329. 7 ) O. Schür, Dingl. pol. J. CLXIII, 27.' Polyt.
Centralbl. 1863, 250. 8 ) Schwarz, Dingl. pol. J.‘ CCY, 422; Wagn.
Jahresber. 1872, 401. °) Bane Pasteur & Co., Bull. soc. chim. 1873, 19,
140; Wagn. Jahresber. 1873, 463.