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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Wichtig ist die Erfindung Lamys 1 ), nämlich die Herstellung einesGlases für optische Zwecke aus Thalliumsalzen. Das Thalliumglas, in demdas Kali resp. das Blei durch Thallium ersetzt ist, zeichnet sich durchein sehr starkes Brechungsvermögen vor allen anderen Gläsern aus,weshalb es bei der Darstellung von optischen Gläsern und künstlichenEdelsteinen neuerdings vielfach in Anwendung gebracht wird.

Verarbeitung des fertigen Glases. Auch in Bezug auf dieVerarbeitung des fertigen Glases sind Fortschritte zu verzeichnen, sonamentlich bei der Spiegelfabrikation. Man hat sich bemüht, an Stelledes Zinnamalgames andere Beläge in Anwendung zu bringen, welcheschneller als der bisher benutzte Belag und ohne Nachtheil für die Gesund-heit der sie handhabenden Arbeiter herzustellen sind. Die Bereitung vonSilberspiegeln verdient zunächst Erwähnung und die Literatur der letz-teren Jahre bietet hierzu eine grössere Anzahl verschiedener Vorschriften.

Martin 3 ) gründet sein Verfahren auf die Eigenschaft des Invert-zuckers, Silber aus einer durch Natronlauge und Ammoniak alkalischgemachten Silberlösung niederzuschlagen. Der Invertzucker wird fürdiesen Zweck mit Hülfe von Salpetersäure aus Candiszucker dargestellt.Die Versilberung geschieht im zerstreuten Tageslichte. Der Martin-sche Process ist ausführlich in Wagners Jahresbericht von 1869, 345geschildert.

Das E. Bothesche Verfahren 3 ) ist eine Erweiterung des Ver-fahrens von Petitjean und Cimey. Bothe benutzt als Reductions-flüssigkeit eine Lösung von weinsaurem Silber, welche aus salpeter-saurem Silber und Seignettesalz hergestellt wird. Bei Anwendung vonSeignettesalz wird ein dichter weisser Silberniederschlag eihalten unddie-.Flüssigkeit haftet leicht auf der benetzten Oberfläche.

R. Böttcher 4 ) hat dieses Verfahren sowohl in Bezug auf die Zeit-dauer als auch in Bezug auf die Zahl und Herstellung der Lösungenvereinfacht.

E. Reichardt 5 ) hat gefunden, dass, entgegengesetzt allen frühe-ren Annahmen, die Versilberung besonders von Hohlgläsern nach demMartinschen Verfahren leichter und schöner durch starkes Schüttelnvor sich gehe.

Sehr interessante und auf eigene Erfahrung basirte Notizen überdas Liebigsche Versilberungsverfahren mit Milchzucker und dasvon Petitjean mit Weinsäure giebt C. Finkh in Tübingen 6 ).

2 ) Lamy, Bull. d. 1. soc. chim. 1866, 164. Dingl. pol. J. CLXXXI, 76.Wagn. Jabresber. 1866, 310. 2 ) Martin, Compt. rend. LYI, 104. Dingl.

pol. J. CLXIV, 142. Wagn. Jaliresber. 1863, 398. s ) Botbe, J. f. prakt.Cbem. VIIXC, 191. Dingl. pol. J. CLXXIII, 292. Wagn. Jaliresber. 1864, 315.

4 ) Böttcher, Polyt. Notizbl. 1864, 300. Wagn. Jaliresber. 1864. 316.

6 ) E. Beicbardt, Dingl. pol. J. CLXXYI, 139. Wagn. Jabresber 1865, 428.

6 ) C. Finkb, Wagn. Jabresber. 1864, 317.