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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Ueber Zusammensetzung und Darstellung des Glases. 711

Durch die Färbung, welche der Schwefel dem Glase ertheilt, er-klärt Pelouze 1 ) die auffallende Erscheinung, dass Gläser hei länge-rer Einwirkung des Sonnenlichtes gelb werden, auf einfache Weise.Jede Glassorte des Handels, seihst die weisseste, zeigt in dicken Schich-ten eine grünliche Fäibung, welche dem vorhandenen Eisenoxydulzuzuschreiben ist. Da nun gleichzeitig Alkalisulfat vorhanden ist, sovollzieht sich unter dem Einflüsse des Sonnenlichtes eine Reduction desSulfates zu Sulfiir, welches die gelbe Färbung bewirkt. Verstärkt wirddie Intensität derselben noch dadurch, dass das gebildete Eisenoxyddas Glas weniger grün zu färben im Stande ist, als die äquivalenteMenge Oxydul. Das umgekehrte Verhalten solcher gelb gewordenenGläser beim Erhitzen bis zur beginnenden Rothgluth, d. h. die An-nahme der ursprünglichen Farbe, ist dann ein einfacher Oxydations-process des vorher vorhanden gewesenen Sulfüres auf Kosten des Eisen-oxydes. Gleichzeitig erklärt diese Reaction die von Splittgerherbeobachtete Erscheinung, dass das durch Kohle, Schwefel oder anderereducirende Substanzen erzeugte gelbe Glas heim Erhitzen sich nichtentfärbt, denn es kann neben dem Sulfür in diesem Falle nur Eisen-oxydul zugegen sein, eine Oxydation also nicht eintreten.

Auf ähnliche Weise wie das Gelbwerden glaubt Pelouze 3 ) dievon Faraday 1824 zuerst beobachtete Erscheinung, dass farbloses Glasbei längerer Einwirkung des Sonnenlichtes zuweilen violett wird, er-klären zu können. Indem er annimmt, dass durch Zusatz von Braunsteinals Entfärbungsmittel zu eisenoxydulhaltigem Glase schwächer färben-des Eisenoxyd und farbloses Manganosilicat entsteht, schliesst er, dassdie durch das Sonnenlicht bewirkte Violettfärbung auf einer Oxydationdes Manganosilicates zu Manganisilicat und der Reduction des Eisen-oxydes zu Oxydul beruht. Bei der Entfärbung des violetten Glasesdurch Erhitzen zur Rothgluth geht dann der nämliche, bereits erläu-terte Oxydationsprocess, wie bei dem Einschmelzen des Glassatzesvor sich. Anderer Ansicht ist Bontemps 3 ). Schon 1867 weist erdarauf hin, dass möglicherweise das Manganoxyd eine Rolle hei derGelbfärbung spiele. Gestützt 1 auf die Erfahrung, dass von ihm fürFresnel aus Natronkalkglas gefertigte, durch Braunstein entfärbteLinsen für Leuchtthürme nach kurzer Zeit durch das Licht gelb wur-den , während solche ohne Manganzusatz unverändert blieben, glaubtBontemps dem Manganoxyd den gelhfärhenden Einfluss zuschreibenzu müssen. Seine Erfahrungen haben ihm ferner gezeigt, dass nur dieKaligläser die Eigenschaft besitzen, am Lichte violett zu werden, wäh-rend Natrongläser sich gelb färben.

!) Pelouze, Wagn. Jaliresber. 1867, 352. 2 ) Pelouze, Wagn. Jalires-

ber. 1867, 355. s ) Bontemps, Compt. rend. CXIY, 228; Dingl. pol. J,CLXXXIY, 324; Wagn. Jaliresber. 1867, 357.