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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Ergebnisse früherer Arbeiten berichtigt resp. ergänzt werden. BeimBlindwerden wirken hauptsächlich die Feuchtigkeit, die Kohlensäureund das Ammoniak der Atmosphäre. Dieselben erhalten die Oberflächedes schlecht zusammengesetzten Glases feucht und zersetzen sie in derWeise, dass sich die Alkalien und der Kalk von der Kieselsäure trennen.Die ersteren werden vom Regen weggespült, während der Kalk unddie Kieselsäure sich als dünnes, ein eigenthümliches Irisiren bewirkendesHäutchen auf der Oberfläche ablagern. Von Einfluss auf das spätere Er-blinden des Glases ist auch ein Gehalt desselben an Schwefelsäure unddie Operation des Streckens der Tafeln. Hierbei verflüchtigt sich auf derdem Streckfeuer ausgesetzten Seite stets etwas Alkali und Schwefelsäure,wodurch diese Seite kieselsäurereicher und resistenzfähiger wird. Diemit den Strecksteinen in Berührung kommende Seite der Glastafelnwird dagegen durch das Strecken disponirter zu der obigen Art des Ent-glasens gemacht. Schwitzende d. h. zum Erblinden geneigte Glasscheibenwerden bei der Einwirkung von Feuchtigkeit auf dieser Seite nachkurzer Zeit trübe und scheiden nach Siegwart Krystalle, welchesowohl Schwefelsäure als auch Natron enthalten, ab.

Yon grossem Interesse sind die Veränderungen in der Färbung,welche verschiedene Gläser erleiden. Die Atmosphäre und das Lichtüben hierbei einen grossen Einfluss aus. Der Farbenwechsel tritt inzwei Formen auf. Das Glas nimmt statt der ursjDrünglich grünlichenFarbe eine gelbliche oder eine violette an.

Frühere Untersuchungen von Bontemps u. Splittgerber hattengezeigt, dass Kohle und Schwefel im Stande seien, das Glas gelb zu färben.

Pelouze ^ untersuchte den Einfluss anderer Metalloide auf dieFärbung des Glases, fand aber einzig und allein die färbenden Eigen-schaften des Schwefels und dessen Alkali- und Erdalkaliverbindungen beichemisch reinem, d. h. von Alkalisulfat freiem Glase bestätigt. Die mehroder weniger gelbe Färbung, welche aus unreineren Materialien her-gestellte Gläser bei der Behandlung mit Kohle, Bor, Silicium, Wasser-stoff annehmen, ist eine Folge der reducirenden Einwirkung dieserStoffe auf das stets vorhandene Alkalisulfat, denn vollständig reines d. h.alkalisulfatfreies Glas verhält sich gegen diese Körper indifferent. Diedurch Sulfide der Alkali- oder Erdalkalimetalle hervorgerufene Fär-bung nimmt beim Erwärmen bis zur dunklen Rothglüth an Intensitätzu, darüber hinaus bis zur Schmelz- resp. Erweichungstemperaturwiederum ab.

Splittgerber 2 ) glaubt diese Erscheinung dem Wechsel des Zu-standes des Schwefels in den Sulfüren zuschreihen zu können, welcherhierbei in andere allotrope Modificationen übergeführt werde.

!) Pelouze, Compt. rend. LXI. 615; Dingl. pol. J. CLXXY; 386. Wagn.Jaliresber. 1S65, 422. 2 ) Splittgerber, Compt. rend. LXII, 352; Journ. f.

prakt. Ohem. IIL, 121; Wagn. Jaliresber. 1866, 318.