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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Ueber Zusammensetzung und Darstellung des Glases. 709

Betreifs der zweiten Form, in welcher die Entglasung aufzutretenim Stande ist, des Blindwerdens des .Tafelglases, sind ebenfalls sehrzahlreiche Untersuchungen angestellt worden.

Das Erblinden ist eine Entglasung an der Oberfläche und zeigtsich dadurch, dass auf derselben ein staubförmiger Ueberzug entsteht.Diese Veränderung beruht auf einer Zersetzung des Glases durch denEinfluss der Atmosphärilien in der Weise, dass das Wasser dem Glasezuerst kieselsaures Alkali und dann kieselsauren Kalk entzieht, wäh-rend schliesslich Kieselsäure fast rein zurückbleibt.

Weber 1 ) weist nun nach, dass das schnellere oder langsamereErblinden lediglich in der chemischen Zusammensetzung des Glasesseinen Grund hat. In erster Linie ist der Alkaligehalt, in zweiter Liniedie Kalkmenge von Einfluss, so zwar, dass mit der Zunahme des erste-ren die Zersetzbarkeit sich steigert. In den meisten Fällen besitzendie Gläser einen so hohen Alkaligehalt, dass der Kalk nicht ausreicht,die beständige Doppelverbindung von kieselsaurem Alkali und kiesel-saurem Kalk zu erzeugen. Weber unterscheidet zwei Formen desBlindwerdens, einmal die Bildung eines staubähnlichen Beschlages undzweitens das Auftreten eines feuchten Thaues. Der staubförmigeUeberzug enthält vorzugsweise Natron, der feuchte Beschlag haupt-sächlich Kali, und es zeigen sich somit Analogien mit den Ausschei-dungen aus Kali- resp. Natron Wasserglas. Weber giebt gleichzeitigeine Methode an, das Glas auf seine Fähigkeit, schneller oder lang-samer zu erblinden, zu prüfen, welche auf der Einwirkung von Salz-säuredämpfen während eines Zeitraumes von 20 bis 30 Stunden bei15 bis 20° beruht.

In seiner Arbeit über das russische Tafelglas bespricht Benrath 2 )auch das Erblinden und zeigt wie man, in St. Gobain in erster Linie,von den Untersuchungen früherer und neuerer Zeit in der Praxis Gebrauchgemacht hat. Zuerst suchte man, auf die Untersuchungen von Pelouze,Vogel, Reischauer und Anderen gestützt, den Kieselsäuregehalt zuerhöhen, musste aber davon abstehen und gelangte schliesslich durchVermehrung des Kalk- und Verminderung des- Alkalizusatzes, indemman gleichzeitig durch Einführung von zweckmässiger construirtenOefen die Schwierigkeiten, welche die vermehrte Schwerschmelzbarkeitdieser Glassätze mit sich brachte, überwand, zur Fabrikation eineswiderstandsfähigeren, sich längere Zeit auch auf der Oberfläche ganzunverändert haltenden Glases.

Neuerdings hat E. Sieg wart 3 ) Untersuchungen über das Er-blinden angestellt und folgende Resultate erhalten, durch welche die

*) B. Weber, Verhandl. d. Ver. z. Beförd. d. Gewerbefl. in Preuss. 1863,

131. Wagn. Jahresber. 1863. 391. 2 ) Benratli, Wagn. Jahresber. 1868, 377.

3 ) Siegwart, Dingl. pol. J. CCV, 39. Wagn. Jahresber. 1872, 404.