Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
708
Einzelbild herunterladen
 

708

Gruppe III. Chemische Industrie.

6. Durch die Bestimmung derjenigen Bestandteile entglasterGläser verschiedenen Ursprungs und verschiedener Zusammensetzung,welche bei einer partiellen Zersetzung der letzteren mittelst Flusssäuregelöst, werden, sowie durch die chemische Untersuchung der dabeiunzersetzt bleibenden Reste wird man zu dem Schlüsse geführt, dassdas Entglasen nicht auf der Bildung von schwerschmelzbaren, saurenSilicaten beruht, da Folgerungen aus der Analogie mit anderen Salzenes im hohen Grade unwahrscheinlich machen, dass saure Silicate sichnur bei höheren Temperaturen bilden und beständig erweisen, beimSinken der Temperatur aber wieder zerfallen. Dagegen drängt sichdie Ueberzeugung auf, dass wir es in den in Rede stehenden Fällenmit einer Lösung von Kieselsäure resp. Feldspath in Glas (R. 2 Si 2 O5)zu thun haben, wo dann selbstverständlich verschiedenen Temperaturenauch verschiedene Sättigungsgehalte zukommen. In dem scheinbaramorphen Glase haben wir dann eine plötzlich oder wenigstens sorasch erstarrte übersättigte Lösung, dass ein augenfälliges Auskrystalli-siren nicht erfolgen kann, daher die verworrenen Krystallisations-gebilde in diesem Glase, welche dem Auge nur künstlich bemerkbarzu machen sind. Bei den entglasten Gläsern dagegen war zum voll-ständigen Auskrystallisiren die erforderliche Zeit vorhanden, daher diebesser ausgebildeten grösseren Krystalle in einer solchen Glasmasse, diesich durch Behandlung mit Flusssäure von der Grundmasse trennen lassen.

II. Schwarz 1 ) hat ein partiell entglastes Glas aus der Siemens-schen Glashütte in Dresden untersucht. Die Krystalle waren theil-weise in kugeligen, wavellitähnlichen Massen innerhalb der durchsich-tigen amorphen Glasmasse ausgeschieden.

Durch die Analyse konnte kein wesentlicher Unterschied in derZusammensetzung der Krystalle und der Grundmasse nachgewiesenwerden. Wendet man auch auf dieses Beispiel den bereits angezogenenVergleich mit einer Salzlösung an, so darf man daher behaupten, dassman es in diesem Falle mit einer übersättigten, durchaus gleichförmi-gen Lösung zu thun habe, aus welcher sich bei einer verhältnissmässigraschen Abkühlung nur wenig gutausgebildete Krystalle absetzenkonnten und bei welcher die übrigens reine Mutterlauge sofort zu einerhomogenen Masse erstarrte.

Dagegen hat wieder E. Siegwart 2 ) einen Unterschied in der Zu-sammensetzung der krystallisirten und amorphen Glasmasse gefunden.Derselbe theilt übrigens nur seine in Bezug auf das Entglasen gemach-ten Beobachtungen mit, ohne auf weitere theoretische Erörterungeneinzugehen.

J ) Schwarz, Ding], pol. J. CCV, 422. Wagn. Jaliresber. 1872, 401.

2 ) Siegwart, Dingl. pol. J. CCV, 53. Wagn. Jaliresber. 1872, 406.