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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Ueber Zusammensetzung und Darstellung des Glases. 707

ist. indem er unter Hinweis auf die Praxis und das Verfahren derFabrikanten, beim Eintritt der Entglasung die Kalkmenge zu ver-ringern, glaubt schliessen zu dürfen, dass allein der Kalkgebalt dieEntglasung bewirkt, bestätigt le Clemandot 1 ) durch seine Erfahrun-gen tbeilweise die Pelouzescben Resultate. Derselbe fand, dassschnell abgekübltes mit Kieselsäure überladenes Natronglas (ohne Kalk)zwar nicht entglast, dass dies aber vollständig geschieht, wenn mandas nämliche Glas recht langsam erkalten lässt. Letzteres wird indiesem Falle zu einer undurchsichtigen, feldspathähnlichen Masse, welchebei längerem Liegen unter Absorption von Feuchtigkeit zerfällt. Geradedurch diese Beobachtung werden die von Bontemps aufgestelltenBehauptungen, dass Pelouze zu anderen Resultaten gelangt wäre,wenn er den Kalkgehalt verringert oder ganz beseitigt hätte und dassman bei hinreichend gesteigerter Hitze ein noch kieselsijurereicheresGlas, als es Pelouze erhalten hat, fahriciren könne, deutlich widerlegt.

Gestützt auf die früheren Arbeiten, besonders die von Pelouzeund auf die Resultate eigener Untersuchungen gelangten. E. Benrath 2 )zu den nachstehenden Schlussfolgerungen:

1. Nach den bislang gemachten Beobachtungen ist jedes Glasunter gewissen Bedingungen entglasbar.

2 . Aus den Untersuchungen von Pelouze geht hervor, dasshauptsächlich Gläser, welche mehr Kieselsäure enthalten, als der Zu-sammensetzung eines Ditrisilicates (R 2 * Siß 0 7 ) entspricht, zum Krystal-linischwerden geneigt sind.

3. Jedes entglaste Glas, sowohl das grobkrystallinische als auchdas feinstrahlige, scheinbar durchgängig krystallisirte Glas ist einGemenge krystallinischer und amorpher Theile, gewissermaassen aus-geschiedener Krystalle und amorph erstarrter Mutterlaugen.

4. Die theilweise krystallinische Structur ist jedoch an und fürsich nicht besonders charakteristisch für die entglasten Gläser, dennauch bei den meisten anderen, dem Anscheine nach durchgängig amor-phen Gläsern, welche eine geschmolzene, nicht polirte Oberfläche be-sitzen, lassen sich, wenn man sie mit concentrirter wässeriger Fluss-säure behandelt und die geätzten Stellen mit Schwefelsäure und Salz-säure gut abwäscht, wie dies früher schon Leydolt gezeigt hat, unterdem Mikroskope zahlreiche Krystallgruppen erkennen.

5. Diese krystallinisehen Theile, wenigstens manche, werden vonFlusssäure langsamer angegriffen, als die übrige Glasmasse. Die Kry-stalle sind jedoch zu klein, um sie sicher isoliren v und in chemischreinem Zustande untersuchen zu können.

b Le Clemandot, Compt. rend. LIV, 415. J. f. prakt. Chem. CI, 496.Wagn. Jahresber. 1867, 358. 2 ) H. E. Benrath, Beiträge zur Chemie des

Glases 1871. Dorpat 36. Wagn. Jahresber. 1871, 398.

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