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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

der Fabrikation, indem Dampfanlagen, Mühlwerke, Trockeneinrich-tungen u. s. f. vervollkommnet, Maschinenarbeit vielfach an Stelle derHandarbeit gesetzt und der ganze Betrieb mehr und mehr zur Gross-industrie ausgebildet wurde.

Als fortwährende Schwäche der Fabrikation ist zu erwähnen, dassder Aufwand für Natronsalze und Schwefel noch ausser allem Verhält-uiss zu der bei der Ultramarinbildung wirklich verbrauchten Mengedieser Materialien steht. Während für 100 Gewichtstheile Ultramarinnur ungefähr 34 Gewichtstheile kohlensaures Natrium und höchstens15 Gewichtstheile Schwefel wirklich verbraucht werden, müssen in derFabrikation bis zu 60Gewichtstheilen Soda und ebensoviel Schwefel ver-wendet werden, um 100 Gewichtstheile Ultramarin zu erhalten. DerSchwefel verdampft zum grössten Theil in den Oefen, verbrennt zuschwefliger Säure und geht verloren; der Ueberschuss von Soda bleibtzwar der Hauptmenge nach als schwefelsaures Natrium dem Rohultra-marin beigemengt, wird aber nur von wenigen Fabriken wieder ge-wonnen; die meisten geben auch dieses Material ganz verloren; einkleinerer Theil der Sodasalze mag auch durch Verdampfen in denOefen verloren gehen. Diese anscheinende Rohheit des Verfahrens isthauptsächlich auf die praktische Unmöglichkeit zurückzuführen, luft-dichte Glühgefässe von sonst geeigneter Beschaffenheit herzirstellen.Aehnliche Schwächen herrschen auch sonst noch mehr in der Industrie,als allgemein bekannt ist und werden wohl niemals ganz vermiedenwerden können.

Die Constitution des Ultramarins immer noch ungewiss.Diese Worte stellte der Berichterstatter über die Chemie auf der Welt-ausstellung in London an die Spitze seiner Zusammenstellung der bisdahin veröffentlichten Untersuchungen über die chemische Natur desUltramarins. Zwei weitere Weltausstellungen haben in der Zwischen-zeit stattgefunden, abermals eine lange Reihe von Autoren, welche sichmit dem blauen Wunder der unorganischen Chemie seitdem beschäftigthaben, ist zu verzeichnen und dennoch kann man auch heute noch keinebessere Uebersckrift wählen, um den jetzigen Stand unseres Wissensin dieser Hinsicht zu kennzeichnen. Im Hinblick hierauf und im An-gedenken, dass nun nahezu 50 Jahre seit der ersten Darstellung deskünstlichen Ultramarins verflossen sind, hat den Verein deutscherUltramarinfabrikanten, welchem gegenwärtig 19 Firmenan gehören, in neuester Zeit beschlossen, einen Preis»von 1000 Rmk. für die beste bis zu Ende des Jahres 1875einzureichende Arbeit über die chemische Constitutionder Ultram arinverbindungen insbesondere über dieBindungsweise des Schwefels in denselben aus zu setzen.Der Verfasser dieses Berichtes wurde beauftragt, für die Veröffentlichungdieses Beschlusses in möglichst weiten Kreisen zu sorgen; durch Er-