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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Ueber die Entwickelung der Ultramarinfabrikation. 679

Für kieselreiches Ultramarin erhält der Thon einen Zusatzvon Kieselerde', sei es durch Auswahl kieselreicher Thonsorten, oderdurch Zugabe von nassgemahlenem Quarzsand oder von Infusorienerde.Letztere war früher nicht ganz leicht in genügender Reinheit zu er-halten, kommt aber jetzt als geschlämmtes Product allgemein im Handelvor und ist in neuerer Zeit für oben genannten Zweck sehr beliebtgeworden Q. Als Natronsalz wird vorzugsweise Soda verwendet, welcheindessen zum Theil auch durch Glaubersalz ersetzt werden kann. Zurvollständigen Mischung der nöthigen Materialien gehört dann" nochSchwefel und Colophonium. Kohle als Reduetionsmittel ist hier wohlallgemein schon seit geraumer Zeit verlassen worden. Beim BTohbrennenerhält man sogleich rohes, blaues Ultramarin, dessen weitere mechanischeBearbeitung im Wesentlichen dieselbe ist, wie bei dem durch das Fein-brennen erhaltenen kieselarmen Blau. Je nach der Menge der zuge-setzten Kieselerde nimmt der röthliche Farbenton und die Widerstands-fähigkeit des Produktes gegen Alaunlösung zu. Bezüglich der letzterenEigenschaft sind indessen auch physikalische Eigenschaften des verwen-deten Thons, namentlich eine gewisse Dichtheit desselben, von Einfluss,ln neuester Zeit sind aus der Gruppe des kieselreichen UltramarinsVerbindungen von violetter, rother und gelber Farbe bekannt gewor-den. Die Beziehungen derselben zu dem zugehörigen blauen Ultra-marin sind noch wenig aufgeklärt; weiter unten wird derselben nochnäher gedacht werden.

Seit der Londoner Ausstellung sind die hier beschriebenen Grund-lagen der Fabrikationsmethoden ebenso unverändert geblieben, alsdie früher bekannten Ofensysteme. Tiegelöfen werden vorzugsweisefür kieselarmes, Muffelöfen für kieselreiches Ultramarin angewendet.Allgemeine und wesentliche Fortschritte wurden aber in der Handhabungund in den Einzelheiten der alten Methoden gemacht, so dass jetzt die-jenigen minderwerthigen Ultramarinsorten, welche auf fehlerhafte Aus-wahl der Materialien und auf fehlerhafte Durchführung des Glühprocesseszurückzuführen sind, wohl von allen Fabriken in viel kleinerer Mengeals früher erhalten, von einzelnen sogar ganz vermieden werden. DieserFortschritt bildet für manche Fabriken ein wirksames Gegengewichtgegen das fortwährende Fallen der Ultramarinpreise bei gleichzeitigemSteigen der Preise der Materialien und Arbeitslöhne. Hierin lag zu-gleich noch eine Aufforderung zur Verbesserung des mechanischen Theils

J ) Allem Anschein nach wird die Gewinnung der Infusorienerde zu einem !eigenen Industriezweig heranwachsen. Als ein feuerfester, sehr poröser undäusserst voluminöser Körper ist dieselbe zu vielen technischen Verwendungensehr geeignet. Nach eignen Versuchen des Verfassers leistet Infusorienerdefast Unglaubliches gegen Ableitung der Wärme und ist weitaus das besteMittel zur Umhüllung von Dampfapparaten aller Art und für alle ähnlicheVerwendungen.