Mittheilungen über Kryolith u. d. darauf gegründete Industrie. 675
sondern auch weil ein besser geschmolzenes und viel stärkeres Glas erzieltwurde. Das Glas vertrug dabei auch einen grösseren Zusatz von Kalk,wodurch ebenfalls seine Stärke erhöht wurde. Wegen seines Eisen-gehaltes lässt der Abfall sich nur als Zusatz zu Bouteillenglas verwenden.
Die Entwickelung von Fluorsiliciumgas, welches den Ofen angreift,gestattet eine Verwendung in nur geringer Menge. In der Glashüttezu Kastrop bei Kopenhagen setzt man dem gewöhnlichen Feldspathsatz6 p. C. zu. Die Glashütte „Lilliedal’s Actie-Bolag“ in Schweden ver-wendet 9 p. C. Man kann bis zu 20 p. C. gehen. Eine Analyse desGlases aus der schwedischen Fabrik zeigt, dass dasselbe Fluor im Be-trage von 1'75 p. C. enthält. In 9 p. C. Flussspath sind 2'7 p. C.Fluor enthalten; es hat sich also ungefähr 1 p. C. verflüchtigt, wäh-rend der Rest in die Glasmasse aufgenommen worden ist, die dadurchstärker und schöner geworden ist.
Auf Steingut und Thonwaaren erhält man mittelst des Abfall-flussspathes ein hübsches weisses, ins Blaue spielendes Email.
Auch in Amerika hat man Kryolith in der Glasfabrikation ver-wendet. In Philadelphia ist ein grösseres Unternehmen, „the hot castPorcelain Company “, auf dies Rohproduct basirt J ). Man stellt daselbsttheils ein milchweisses etwas durchscheinendes Glas aus reinem Kryo-lith dar, theils ein gleichmässig gefärbtes oder marmorirtes undurch-sichtiges Glas, wozu man unreinen Kryolith benutzt. Der Satz fürweisses Milchglas ist folgender: 1 Theil Zinkoxyd, 4 Theile Kryolithund 10 Theile Sand werden in gewöhnlichen Töpfen aus Pfeifenthongeschmolzen, wobei eine starke Entwickelung von Fluorsilicium statthat 3 ).Der Pfeifenthon wird jedoch nicht stark davon angegriffen. Die Ent-wickelung hält während der ganzen Schmelzung an, ja noch währendder Verarbeitung in geringem Maasse. Das Glas besitzt eine bedeu-tende Härte und Widerstandsfähigkeit; es wird selbst als Pulver von *starken Säuren nicht angegriffen. Nach einer Analyse des Hrn. Ilage-mann ist die Zusammensetzung die folgende:
b In böhmischen und schlesischen Glasfabriken wurde schon einige Jahrefrüher als in Amerika Kryolith zur Erzeugung eines dem hot cast porcelainähnlichen Glases verwendet, welches unter dem Namen „Milchglascompo-sition“ im Handel ist. (Vergl. P. Weiskopf, Dingl. pol. J. CLXXXIX,180; Deutsche Industriezeitg. 1868, 318; Wagn. Jahresber. 1868, 371.) E. B.
2 ) Eine Verwerthung des bei der Kryolithsclimelze als Nebenproduct auf-tretenden Fluorsiliciums zur Erzeugung der für die Technik so überaus nütz-lichen Kieselfluorwasserstoffsäure (vergl. S. 315 f. dieses Berichtes) scheintnoch nicht unternommen worden zu sein. E. B.
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