GOO Gruppe III. Chemische Industrie.
reducirten Alüminiumkugeln mit einer dünnen Haut, welche dasZusammenschmelzen erschwert. Dies Oxyd wird, wie Rousseau undMorin fanden, von Fluoriden gelöst; deshalb setzt man dem Doppel-salz Flussspath oder, wiePelouze und Fremy zuerst empfohlen haben,Kryolith zu.
Kryolitli vermag das Doppelchlorid zu ersetzen; er wird aber,seitdem der Bauxit reichlich und billig zu haben ist, nicht mehr zurAluminiumdarstellung benutzt. Er übernimmt jetzt bei der Fabrikationdie Rolle des Flussmittels. II. Rose 1 ) bediente sich zuerst des Kryo-liths, dieser Doppel Verbindung von Fluoraluminium mit Fluornatrium,welche dem künstlich dargestellten Aluminium-Natrium-Doppelchloridanalog zusammengesetzt ist. Er erhitzte Schichten von gepulvertemKryolith und Natrium, wozu er als Flussmittel Chlorkalium gefügthatte, in eisernen Tiegeln zum Glühen, rührte die geschmolzene Massemit einem Eisenstabe und liess erkalten. Das so erhaltene Metall warindess stark eisenhaltig. Wöhler 2 ) brachte in Bezug auf das Fluss-mittel eine Abänderung an; er wendete eine Mischung von 7 Thln.Kochsalz und 9 Thln. Chlorkalium an und vermochte dadurch dieSchmelze in gewöhnlichen Thontiegeln vorzunehmen. Das erwähnteSalzgemisch wurde mit dem gleichen Gewichte gepulverten Kryolithsversetzt und 50 Thle. dieser Mischung wurden mit 8 bis 10 Thln. Na-trium geschmolzen. Das so erhaltene Metall war frei von Silicium,aber die Ausbeute betrug nie mehr als 1 / 3 des Aluminiumgehalts imKryolith. Es würde, wie Wöhler bemerkt, von grossem Yortheilsein, wenn man das 32 p. C. Aluminium enthaltende Aluminiumfluoridaus dem nur 13 p. C. enthaltenden Kryolith auf leichte Weise isolirenkönne. Diese Abscheidung ist bis jetzt nicht gelungen. Ilr. Brunner 3 )hat den Vorschlag gemacht, Aluminiumfluorid durch Einwirkung vonFluor auf Thonerde darzustellen. Es scheint dieser Vorschlag im Grossennicht ausgeführt zu sein. Kryolith wurde in der unter der Leitung derHerren Ch. und A. Tissier stehenden Fabrik zu Amferville-la-mi-voiebei Rouen, so lange sie bestand, auf Aluminium verarbeitet. Jetzt istdas Hauptmaterial zur Aluminium darstellung der Bauxit. Ein Bild dergegenwärtigen Fabrikation des Aluminiums giebt uns der diesem fol-gende Aufsatz aus der Feder des Hrn. Prof. A. Wurtz.
Schliesslich ist nicht unerwähnt zu lassen, dass manche Versuchegemacht worden sind, um das kostspielige Natrium durch billigere Re-ductionsmittel zu ersetzen. Wir wollen einige innerhalb der letzten zehnJahre in dieser Richtung gemachten Vorschläge erwähnen. Ilr. Basset 4 )
4 ) II. Bose, Berl. akad. 33er. 1855, 512. 2 ) Wöhler, Ann. Cliem.
Pharm. XCIX, 255. s ) Brunner, Wagn. Jaliresber. 1856, 5. 4 ) Basset,
Gönie industriel 1864, tome I, 152; Wagn. Jaliresber. 1864, 19; vergl. auch:Muspratt’s Chemie von B. ICerl u. P. Stolimann. 3. Aufl. S. 568.