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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

einer schädlichen Gegenwirkung der Ausdehnung gegen den Zusam-menhang, also zum Treiben, die bei dem Gypscement sehr hoch, ist.

Der äusserste Gegenfüssler des Portlandcements ist der gewöhn-liche Kalk, bei dem die Anwendung gerade auf einem weitgetriebenenGrade von Treiben als regelmässige, und darum normal angesehene,Erscheinung beruht. Die Ursache dieses hochgradigen Treibens istnicht sowohl die Menge des zur Bindung kommenden Hydratwassers,als vielmehr die Energie, in deren Folge die starke Wärmeentwicke-lung, bei der Bindung des Hydratwassers. Sie ist nach W. Wolters *)so gross, dass das beim Löschen des Kalks unter gewöhnlichen Um-ständen überschüssig eingesaugte Wasser plötzlich in Dampf verwan-delt wird und die ohnehin lockere Masse des Kalks sozusagen in seineMolecule zersprengt. Daher das ungeheure Aufgehen oderGedeihen.Nichtsdestoweniger ist diese so regelmässige Erscheinung bei der Bin-dung des Hydratwassers, als blosse Function der bedeutenden Wärme-entwickelung, keineswegs vom Kalke unzertrennlich; sie ist zunächstein blosser Ausfluss der Manipulation und verschwindet mit geeigneterAbänderung der Art wie das Hydrat zu Stande kommt. Ein Stückgebrannter Kalk, einem Strom von Wasserdampf ausgesetzt, verwan-delt sich vollständig in Kalkhydrat ohne die geringste Erscheinung desLöschens, ohne zu zerfallen, ohne aufzugehen ; keine äusserliche Verände-rung ist bemerkbar. Natürlich, denn mit der Einführung des fertiggebildeten Dampfs, statt tropfbar flüssigen Wassers, ist jede Ursacheder Sprengung der Theilchen weggefallen, ein Kalkstück bleibt einzusammenhängendes Stück ohne Aenderung des Ansehens und derForm. Stampft man fein zerriebenen gebrannten Kalk in ein ver-schliessbares mit feinen Oeffnungen in der Wand versehenes Metall-rohr und legt es unter Wasser, so verwandelt sich der Kalkstaub nacheinigen Stunden in einen zusammenhängenden Stab aus Kalkhydrat,von der Festigkeit der Schreibkreide, in Folge einer reinen hydrau-lischen Erhärtung. Das langsam eindringende Wasser, die ebensorasch zerstreute als entwickelte Wärme, hindert das Treiben vollkom-men; die sonst maskirteu hydraulischen Eigenschaften des gebranntenKalks enthüllen sich einfach. Der entscheidende Einfluss der Mani-pulation zeigt sich in sehr klarer Weise auch bei dem gemeinen so-genannten Luftmörtel. Wenn man den gebrannten Kalk, statt ihnvorher zu löschen, ungelöscht mit dem Sandversatz einreibt undmischt, und zuletzt das Wasser zusetzt, so erhält man ein Gemenge,was kein Maurer für Mörtel ansprechen wird. Der Kalk bildet dannkeine zarte rahmige Masse, er geht nicht auf, er löscht sich nichtnach dem gewöhnlichen Begriff, das Gemenge bleibt kurz wie Sandund Wasser allein. Die Kalktheilchen, durch die Sandkörner isolirt

j W. Wolters, Dingl. pol. J. CXCVI, 343.