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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Mörtel und Cement. 595

und auseinandergehalten, lassen auch hier eine so rasche Zerstreuungder entwickelten Wärme zu, dass keine Dampfbildung im Inneren der-selben erfolgt.

Um so nützlicher für die Praxis machen sich die eben berührtenhydraulischen Eigenschaften des gemeinen Kalks in dem Selenitmörtelgeltend. Bei dem Zusammenbringen des gebrannten Kalks mit Gyps-lösung erfolgt eine Niederschlagung des aufgelösten Gypses auf denKalk in erster Liniö*). Diese Niederschlagung ist von gleicher Artwie die Niederschlagung von -Farben auf spinnbare Faser, von Gerb-stoff auf das Gewebe der thierischen Haut, von Kalk in Zuckerlösungauf die Knochenkohle u. s. w., eine Wirkung der Flächenanziehung.Sie erfordert um siel; zu vollziehen, eine gewisse Zeit, einige Minu-ten, und kann daher nur bei Kalk zu Stande kommen, der sich lang-sam löscht und dadurch die erforderliche Zeit gewährt. Deswegensind träge löschende magere Kalke für den Scottschen Mörtel geradedie geeigneten. Nachdem die Flächenanziehung gewirkt, sind alleKalktheilchen mit einer äusserst dünnen aber zusammenhängendenSchicht von Gyps überzogen, die unter den gegebenen Bedingungen,d. h. so lange ganz und gar unlöslich ist, als das Wasser aus dem vor-handenen Ueberschuss von Gyps mit diesem gesättigt bleibt.

Der so entstandene Ueberzug von Gyps isolirt nun die einzelnenKalktheilchen, er verlangsamt die Berührung mit dem Wasser unddamit die Bindung desselben durch den Kalk in dem Grade, dass dieWärme sich nicht mehr in der gewöhnlichen Weise anhäufen kann.Es findet kein eigentliches Löschen, keine Dampfbildung mehr Statt,oder ist doch bis auf schwache Andeutungen der Erscheinung erlahmt.Unter diesen Umständen kommt die hydraulische Eigenschaft des ge-brannten Kalks zur Erscheinung, er bindet ab und geht in eine zusam-menhängende Masse über, auch ohne alle Mitwirkung der Kohlensäureder Luft. Daraus erklärt sich, dass ein solcher mit Gyps behandelterKalk schneller fest wird. Sein eigentlicher Werth, die grössere Härtedie er erlangt, oder was dasselbe ist, seine Fähigkeit, ungleich mehrSand zu binden als gewöhnlich gelöschter Kalk, liegt auf einer anderenSeite; er ist der Ausfluss der ungleich grösseren Dichte. Je dichterdas Kalkmaterial vor der Aufnahme von Kohlensäure, um so fester,härter und bindender ist auch das daraus hervorgehende Kalkcarbonat.Nun besteht zwar kein Unterschied in der Dichte des Kalks an sich,auf die eine oder andere Art gelöscht, wohl aber in der Dichte derKalkmasse, die Poren eingerechnet. Mit Gyps behandelter Kalk be-hält beim Verarbeiteii mit Wasser die Farbe wie im gebrannten Zu-stande, er besitzt nicht den iiussersten Grad der Zertheilung, um eineweisse Milch zu bilden. Aber seine Zertheilung ist noch hinreichend,

x ) Schott, Ding], pol. J. CGIX, 130.

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