582 Gruppe III. Chemische Industrie.
in den Cementfabriken von Villeneuve in Frankreich und von Rochein Russland im Jahre 1871. In den Rechenschaftsberichten dieser letz-teren Fabrik bekannte man sich geradezu zu dem Satze als Princip derFabrikation, dass basisch kohlensaurer Kalk ganz so erhärte wie Gyps.Davon nahm A. R. Schulatschenko J ) Anlass, die Existenz der basischenKalkverbindung experimentell zu prüfen und kam zu verwirrenden Er-gebnissen. Unvollkommen und in verschiedenem Grade mit Kohlensäuregesättigte Kalke' unterschieden sich in nichts von Gemischen aus neutralemkohlensaurem Kalk und Kalkhydrat; dasselbe gilt von den Productendes unvollkommenen Brennens. Bei den Versuchen mit reinem Materialzeigte keine Probe Spuren von Hydraulicität. — Aus der Nichtexistenzdes basisch kohlensauren Kalkes die Unwirksamkeit der darauf begrün-deten Fabrikate zu folgern, würde indessen ein sehr voreiliger Schlusssein, ihre unzweifelhafte Hydraulicität beruht nur auf anderen Gründen.In dem Kalke, der der Fabrik von Roche als Rohmaterial dient, fandSchulatschenko 18 p.C. in Chlorwasserstoffsäure unlösliche kieseligeund thonige Bestandtheile; beim Brennen machen diese den Kalk in dergewöhnlichen Weise hydraulisch. Das unvollkommene Brennen hatzur Folge, den Ueberschuss von Kalk, indem dieser kohlensauer bleibt,zu eliminiren. In der That enthielt der Roche’sche hydraulische Kalknach dem Brennen 19 p. C. Kohlensäure. Freilich kann bei der niederenTemperatur auch keine vollständige Aufschliessung des kieseligen Be-standtheils erfolgen (es waren nicht mehr als 10 p. C. aufgeschlossen)und ein nur mittelmässiges Product entstehen.
In antiken Mörteln, 1600 bis 3000 Jahre alt, gelang es W. Wall'ace 2 )ebenso wenig, basisch kohlensauren Kalk aufzufinden. Sie erwiesensich sonst von äusserst verschiedenartiger Zusammensetzung. Ein solchervon der Cheops-Pyramide enthielt im Wesentlichen 81'5 bis 82'9p. C.wasserhaltigen schwefelsauren Kalk. Bei anderen ist der kohlensaureKalk das Bindemittel. Der härteste und beste von allen, aus einerTempelruine von Larnaca auf Cypern, enthielt 47 p.C., ein andererals Kitt von thönernen Wasserleitungen ebendaher 92 p.C.; ein alt-griechischer Mörtel von der Pnyx nahe 82 p. C., ein ebensolcher einesTempels in Pentelikon gegen 87 p. C. kohlensauren Kalk 3 ). Wenigerfand sich in altrömischen Mörteln, aber auch mit grossen Abweichungen,so in einem von der Villa Hadrian’s bei Tivoli 27 p.C., in einem ande-ren von da 53 p.C., in einem von latinischen Gräbern bei Rom über32 p.C., in einem aus einer Mosaik der Caracallabäder gegen 43 p.C.Fast alle enthielten etwas lösliche Kieselerde. Als Versatz fanden sichin den Cyprischen Mörteln kleine Steine, .in den römischen, Puzzolaöe.
J ) A. R Schulatschenko, Ding-1. pol. J. O'OV, 335. - 2 ) W. Wallace,
Cliem. News 1865, Nro. 281. 3 ) Die Analyse unterscheidet den etwa als
Sand oder mit dem Sand in den Mörtel" gekommenen kolilensauren Kalknicht von dem aus Kalkhydrat entstandenen.