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Gruppe III.' Chemische Industrie.
Gypscemente.
Im Jahre 1854 beobachtete ein englischer Ingenieurofficier,Namens H. Y. D. §cott, dass rothglühender, den Dämpfen yonbrennendem Schwefel ausgesetzter Kalk hydraulisch wird. Nachdemwies F. Schott 1 ) nach, dass das Product zwar je nach der Tempe-ratur der Darstellung mehr oder weniger Schwefelcalcium enthalte,aber seine hydraulische Eigenschaft lediglich der ZusammenwirkungvonAetzkallc und schwefelsaurem Kalk in der Hitze verdanke; nachdemer gezeigt hatte, dass sehr verschiedene Gemenge beider von 1 Mol.bis 6 Mol. CaO auf 2 Mol. CaS 04 dazu taugen, aber erst, wenn siebis zum Sintern geglüht werden 2 ). Später änderte auch der englischeErfinder seine Vorschrift ab und stellte seinen Cement aus Kalk undGyps dar. Dieser Cement nimmt langsam Wasser auf und erhärtetunter massiger Wärmeentwickelung sehr stark, verträgt aber die dauerndeEinwirkung des Wassers nicht ohne zu erweichen, wegen der zu grossenLöslichkeit des Gypses.
Der Werth dieses ersten Scott’schen Cementes für die Praxisstand nicht im Verhältniss mit den Herstellungskosten, er fand wenigEingang. Dieser Umstand brachte den General Scott auf eine neueAbänderung zur Herstellung seines Cements: er setzt den Gyps,etwa 2 bis 5 p. C., einfach beim Löschen des Kalks zu und erspartdamit den kostspieligen Brand des Gemenges. Mit dieser „sehr ein-fachen Abänderung“, wie er sich ausdrückt, ist Scott’s Cement einganz und gar anderer, auf verschiedenem Princip beruhender geworden.Der Kalk dazu muss von Haus aus etwas träge beim Löschen sein;solcher Kalk löscht sich in mit Gyps versetztem Wasser gar nicht mehroder nur äusserst unvollkommen und muss auf Mühlen zu einem dick-lichen Schlamm gemahlen werden (to a creamiy paste ), drei bis vier Mi-nuten lang 8 ). Der so erhaltene Schlamm hat die Eigenschaft, doppeltsoviel Sand zu binden, als gewöhnlich behandelter Kalk, und dabei einegrössere Festigkeit und Härte anzunehmen, als Luftmörtel. Dieser neueunter dem Namen „selenitic niortar“ in England bekannte Mörtel hatnamentlich auf der internationalen Industrieausstellung in London 1871viel Aufsehen erregt 4 ).
x ) F- Schott, Dingl. pol. J. CCII, 52. 2 ) Selbst blosser bis zum Sintern
geglühter Gyps besitzt noch deutlich hydraulische Eigenschaften. Schott,Dingl. pol. J. CCII, 355. 3 ) Engineer, Sept. 1872 u. Decbr. 1871; Engi-
neering a. Mining Journ. January 1871; Scientific American, August u. Decbr.1871; vergl. ferner die Mittheil, von Del esse (Civilingenieur, IX, 241) undvon Mangon (Bull. Soc. d’Encour. 1864, 589). 4 ) Schon im Jahre 1865
beobachtete E. Schwärzier von Bregenz, bei Gelegenheit von Versuchenüber die künstliche Erzeugung von lithographischen Steinen, die Wirkung desGypses auf Kalk auf nassem Wege.