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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

ergab sich die mittlere Schicht als die tauglichste; sie,gab, beim mitt-leren Hitzegrad gebl-annt, einen in wenig Minuten bei geringer Wärme-entwickelung rasch und nach längerer Zeit stark erhärtenden, demPortland nicht nachstehenden, hydraulischen Kalk. Schwach gebranntentwickelte sie keine Wärme, erhärtete aber höchst langsam; im stärkstenFeuer verhielt sie sich anfangs ähnlich, erhärtete aber unter Wasserin hohem Grade und zerfiel an die Luft gebracht nach einigen Tagen.

Die von H. Frühling 1 ) untersuchten (S. 569) Plattenkalke ge-ben, bei niederer Temperatur gebrannt, ein dem Vassycement ähnlichesProduct, welches, mit Wasser angemacht, rasch abbindet, auch eineziemliche Härte annimmt, aber nur oberflächlich, während es imInnern sehr lange mürbe bleibt.

Trassmörtel.

Die zunehmende Ausbeutung natürlicher Gesteine zu Portland-cement und hydraulischen Kalken hat die Anwendung der Trassmörteleinigermaassen zurückgedrängt, doch sind sie immerhin für günstiggelegene Oertliehkeiten von grosser Bedeutung geblieben und habensogar nach gewissen Richtungen neue Bedeutung gewonnen. Dahingehört die neuerdings aufgekommene Praxis, dem Portlandcement Trassin gewissen Verhältnissen zuzumahlen. Das Gemenge kommt natürlichbilliger zu stehen als der reine Portland, ohne dass damit eine wesent-liche Verschlechterung stattfindet. Die Kenntniss der trassartigenNaturproducte ist von G. Feichtinger 2 ) nach zwei Seiten hin erwei-tert worden, nämlich: nach der Seite des Trasses der Insel Santorin,deren unerschöpfliche Vorräthe das Hauptmaterial der Wasserbautenvon Triest, Fiume und Venedig bilden; dann nach der Seite des Trassesvom sogenannten Ries, der durch M. Meyrs Erzählungen bekanntenLandschaft bei Nördlingen in Bayern, welcher dort in mehreren Varietätenvorkommt. Die Santorinerde bildet mit concentrirter Chlorwasserstoff-säure keine Kieselgallerte, dagegen enthält sie beträchtliche Mengendurch verdünnte Kalilauge ausziehbare Kieselerde, nach Feichtingerunmittelbar 203p. C., d. i. nahe ein Drittel des ganzen Kieselerdegehalts.Ausserdem sind" noch mit Chlorwasserstoffsäure, aber ohne Gallerte-bildung, zersetzbare Silicate vorhanden mit 51 p. C. Kieselerde. DerWerth der Santorinerde beruht einzig und allein auf ihrem Gehalt anamorpher Kieselerde, denn nach dem Ausziehen derselben hat sie dieEigenschaft eingebüsst, mit Kalk zu erhärten. Beider Erhärtung werden

J ) Frühling, Notizblatt des deutschen Vereins für Ziegelfabrikation etc.1870, 107. 2 ) G. Feichtinger, Dingl. pol. J. CXCVII, 146; Bayer.

Industrie- u. Gewerbeblatt 1872, 141.