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Gruppe III. Chemische Industrie.
bilden, welche keine Wirkung auf den Farbstoff ausüben, und eine dieFarbe verändernde Wirkung des Alkalis paralysirt wird 1 ).
Der Kieserit und das Bittersalz sind auch zur Schwefelsäure-fabrikation verwendbar. Wird Magnesiumsulfat mit Kohle geglüht,so entweicht alle Schwefelsäure in Form von schwelliger Säure undMagnesia bleibt zurück. Es findet folgende Reaction statt:
Mg S0 4 + C = CO +• S0 2 + Mg 0.
Wenn wir noch hinzufügen, dass das schwefelsaure Magnesium auchin der Telegraphie zur Herstellung constanter Batterien benutzt wird,so dürften die meisten nützlichen Verwendungen aufgezählt sein.Diese alle genügen aber noch bei Weitem nicht, um die grossen Quan-titäten Kieserit, welche Stassfurt und Leopoldshall liefern, zu bewäl-tigen. Eine noch allgemeinere Verwendung grosser Massen des Ma-terials wird mehrfach angestrebt.
Ein anderes Product der Stassfurter Industrie, das Chlormag-nesium, wird jetzt auch in mannichfacher Weise in der Technik be-nutzt. Es dient nach einem Patent von Hrn. Townsend zumSchlichten baumwollener Gewebe; ferner zur Herstellung der Süvern’-schen Desinfectionsmasse, des S o r e 1 ’ sehen Magnesiacements, zur Dar-stellung von Chlorbarium, wobei es Chlorcalcium oder Manganchloriirzu vertreten vermag (vergl. indess S. 518). Es ist weiter ein gutesFeuerlöschmittel und kann zum Tränken von Holz in feuergefährlichenGebäuden: Verwendung finden, ferner zur Fabrikation künstlicherSteine mit Sand und Wasserglas, zum Besprengen von Strassen, umsie feucht zu erhalten. Stassfurt' producirte im Jahre 1873 etwa130 000 Ctr. krystallisirtes und geschmolzenes Chlormagnesium 2 ).
Das in der Natur in beträchtlicher Menge vorkommende 3 )Magnesium carbonat, der Magnesit, spielt nicht nur eine wichtigeRolle in der Darstellung von Magnesiapräparaten, sondern auch alsKohlensäurequelle. Durch Erhitzen bis zu massiger Rothgluth wirddie Kohlensäure ziemlich vollständig ausgetrieben. In der Fabrikationmoussirender Getränke wurde .früher der Magnesit meistens durch con-centrirte Schwefelsäure zersetzt. Diese Zersetzung ist ziemlich un-vollständig, und der Aufwand an Schwefelsäure nicht unbeträchtlich.Nach Hrn. Schwarz 4 ) in Graz ist der Magnesit in kleinen eisernenGasretorten von 2 bis 3 Fuss Länge zu erhitzen. Die so erhalteneKohlensäure zeichnet sich vor der Verbrennungskohlensäure durchgrosse Reinheit und absolute Geruchlosigkeit aus und dürfte nicht nurzur Bereitung moussirender Getränke, sondern auch zur Darstellung
4 ) Revue hebdomadaire de cliimie 1874, 129. 2 ) Vergl. S. Frank,
a. a. 0., dieser Bericht S. 374. 3 ) Z. B. in Baumgarten und Frankenstein
in Schlesien, bei Hrubschitz in Mähren, Kraubat in Steiermark, auf derInsel Euböa etc. 4 ) Schwarz, Dingl. pol. J. CLXXXVI, 25.