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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Magnesium. 563

webe statt. Neben der gleichfalls schon erwähnten Glaubersalzdar-stellung ist sodann die des Kaliumsulfats von besonderer Wichtigkeit.Dies von Herrn H. Grüneberg eingeführte Verfahren besteht darin,dass durch Lösung bestimmter Mengen von Kieserit und Chlorkaliumin der Hitze und darauf folgende Krystallisation ein Doppelsalz vonder Zusammensetzung des Schoenits erhalten wird, welches seinerseitswiederum durch Chlorkalium zersetzt wird, wobei Kaliumsulfat, Schoenitund Carnallit resultiren. Diese Salze werden durch Krystallisation ge-trennt. Diese Fabrikation wurde anfangs lebhaft betrieben, so dass derPreis des Kieserits von 3 Pfennig pro Centner wieder auf 3 Silber-groschen stieg. Sie ist jetzt aber wieder aufgegeben worden *)

Die Schwefelsäure des Magnesiumsulfats wird dazu benutzt, umPermanentweiss aus Chlorbariumlösung zu fällen. Auch zur Fällunganderer schwerlöslicher Sulfate, wie Alaun, kann der Kieserit natürlichbenutzt werden.

Nicht Unerheblich ist der Consum des Kieserits in der Land-wirthschaft, seitdem von Hrn. Pincus nachgewiesen worden ist,dass das schwefelsaure Magnesium den Gyps, namentlich in der Klee-düngung, zu ersetzen, ja denselben in seinen Erfolgen zu überbietenvermag. Die Verwendung des Bittersalzes in der Heilkunde ist vonAlters her bekannt.

Leider haben die Versuche, das schwefelsaure Magnesium zumKlären und Entfärben der Rübensäfte zu verwenden (Verfahren. vonMorgenstern), keine ganz befriedigende Resultate ergeben. Wiees scheint, eignet sich das Chlormagnesium besser dazu 2 ). Auch dasBleichverfahren nach Tessie du Motay, welches' darauf beruht,dass die Lösung des grünen mangansauren Kaliums durch Zusatz vonschwefelsaurem Magnesium in übermangansaures Kalium übergeführtwird 3 ), hat die versprochenen Erwartungen nicht erfüllt.

Der Verwendung des Kieserits in der Alaunfabrikation ist obenschon Erwähnung gethan. Auch ist das Salz zur Darstellung eines Stuck-marmors empfohlen worden. 2 Aeq. Magnesiumsulfat und 1 Aeq. Kalkwerden mit einander vermischt, gebrannt und dann fein gemahlen.Das Product erhärtet, mit Wasser angerührt, schnell zu einer marmor-ähnlichen Masse.

Magnesiumsulfät ist ferner nach Hrn. Reimann in, der Färbereivon Wolle mit Anilinfarben, besonders mit Hofmanns Violett undPhenylviolett, von günstigstem Einfluss. Diese Farben widerstehenbei Gegenwart von Magnesiumsulfat besser der Wirkung der Soda undder Seife, vermuthlich weil sich unlösliche Magnesiumverbindungen

b Vergl. Frank, Stassfurter Kaliindustrie, dieser Ber. S. 364, sowieGrüneberg, Potasche, dieser Ber. S. 404. 2 ) Vergl. Frank, a. a. 0.,

dieser Bericht S. 375. 3 ) Tessie du Motay, Vagn. Jaliresber. 1867, 652.

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