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Gruppe III. Chemische Industrie.
10 p_. 0. gewonnen. Da nun von diesem Abraumsalze im Jahre 1872beispielsweise in Stassfurt 4 Millionen Centner, im benachbarten Leo-poldshall 6 Millionen, in Summe also 10 Millionen Centner gefördertwurden, so könnte sich die Production an Kieserit auf 1 MillionCentner per Jahr belaufen. Trotz des sehr bedeutenden Exportes nachEngland und Amerika trat in Stassfurt eine Ueberproduction ein, wiedies bei leicht gewinnbaren Fabrikaten immer der Fall zu sein pflegt.Der Preis des Kieserits wurde dadurch auf ein Minimum, auf 3 Pfg.pro Centner, herabgedrückt. Ein Theil der Fabrikanten gab denKieseritbetrieb wieder auf; und augenblicklich wird ungefähr 4 / 3 vondem producirt, was gewonnen werden könnte, wenn die FabrikantenWerth auf den Artikel legten. Dies Drittel repräsentirt das immerhinrespectable Quantum von 360 000 Ctr. per Jahr 1 ).
Der grösste Theil dieses Bittersalzes wird in England zur Appreturleichter baumwollener Gewebe benutzt. In Manchester allein werdenzu diesem Zwecke wöchentlich 3000 Centner verbraucht. Englandproducirte vor der Entwickelung der Kieseritindustrie jährlich etwa240 000 Ctr. Magnesiumsulfat aus Dolomit. Nach Hm. J. II. Swin-dells 2 ) wird dabei in folgender Weise verfahren. In einen hölzernen,mit dicken Bleiplatten (am Boden und drei Fuss hoch an den Wändensind Steinplatten) ausgefütterten Kasten werden etwa 60 Ctr. Dolomitgebracht. Dazu kommen 12 Ballons Schwefelsäure und so viel Wasser,dass die Flüssigkeit ein Yolumgewicht von 1'125 bis 1’150 hat.Dann wird Dampf eingelassen. Nach 8 bis 12 Stunden, wenn dieFlüssigkeit genügend neutral ist und ein Volumgewicht von 1'2 bis1‘25 zeigt, wird sie in ein grosses Absatzgefäss abgelassen, wo sienoch genau neutralisirt wird und etwa vorhandenes Eisen ausgefälltwird. Nach drei bis vier Stunden wird sie in eiserne Abdampfpfannengehebert und bis zu einem Volumgewicht von 1‘33 concentrirt. Dannkommt sie in Kühlgefässe aus Holz oder Stein, in welchen das Salzkrystallisirt. Die Darstellung der schwefelsauren Magnesia aus Kieseritist offenbar vortheilhafter und ist berufen, die Darstellung aus Magnesitoder Dolomit vollständig zu verdrängen. Nach neueren Nachrichten 3 )wird der einzige englische Fabrikant, welcher noch Magnesit anwendet,diese Fabrikation aufgeben, um gleichfalls das Bittersalz aus Kieseritdarzustellen.
Die Verwendungen des Kieserits 4 ) werden immer vielseitiger.Der Hauptconsum findet, wie schon oben erwähnt würde, in denAppreturanstalten Englands zum Beschweren der baumwollenen Ge-
4 ) Diese, sowie manche andere Angaben über die Stassfurter Magnesia-industrie verdankt der Berichterstatter dem ausserordentlich bereitwilligenEntgegenkommen des Hrn. Dr. H. Grüneberg. 2 ) Swindells, Wagn.Jaliresber. 1887, 252. 3 ) Privatmittheilung von Seiten des Hrn. Dr. H.
Grüneberg. 4 ) H. Grüneberg, Ber. d. ehern. Ges. 1872, 840.