538
Gruppe III. Chemische Industrie.
H. Ste.-Claire Deville Schmelztiegel angefertigt. Es wird heiihrer Anwendung die Einführung von Kohlenstoff und Silicium inMetalle vollständig vermieden. Metalle, wie Eisen, Nickel, Kobalt,Mangan, wurden darin geschmolzen und reiner und geschmeidigererhalten, als wenn sie in Thontiegeln geschmolzen waren. Für grosseTiegel waren aber nur schwierig grössere Kalkblöcke ohne Risse zuerhalten, und viele Tiegel zerbrachen bei der Anfertigung. Mit Kalkausgefütterte Thontiegel erwiesen sich als durchaus untauglich, da heihoher Temperatur die Thonerde auf den Kalk einwirkt und damit zu-sammenschmilzt. Es ist daher als ein Fortschritt in dieser Beziehungzu bezeichnen, dass es Hrn. D. Forbes 1 ) gelungen ist, Kalktiegel inbeliebiger Grösse herzustellen. Ein Thontiegel wird mit Lampenrussgefüllt, der unter starkem Druck darin gut zusammengestampft wird.Dann wird der mittlere Theil herausgeschnitten, so dass nur eine y 2Linie dünne Schicht an der Tiegelwand haften bleibt. Diese wird miteiner Glasstange so lange gerieben, bis sie glänzend erscheint. Sodannwird der Tiegel mit fein gepulvertem Aetzkalk angefüllt, der wiederfest eingestampft und in der Mitte ausgeschnitten wird; oder das Kalk-pulver wird um einen centralen Kern von der Grösse des inneren Tie-gelraums festgestampft. Dieses Kalkfutter bildet nach dem Erhitzeneinen starken compacten Tiegel, dessen Einwirkung auf den Thontiegel'durch die Zwischenschicht von Lampenruss gehindert wird. In ähnlicherWeise kann man die Tiegel mit Magnesia- oder Thonerdepulver aus-füttern. (Vergl. Oaron’s Magnesiatiegel, S. 556.) Die Kalktiegel die-nen, was erwähnenswerth ist, auch zum Umschmelzen und Feinen desPlatins nach der Schmelzmethode von Ste.-Claire Deville und De-bray. Alle Unreinigkeiten des Platins, wie Silicium, Eisen, Kupfer etc.,werden dabei in schmelzbare Verbindungen verwandelt, welche sich indie poröse Masse des Tiegels hineinziehen.
Die Unschmelzbarkeit des Kalks hat noch zu einer interessantenAnwendung Anlass gegeben. Die Flamme, welche durch Verbrennenvon zwei Volum Wasserstoff mit einem Volum Sauerstoff entsteht, dieKnallgas - oder Hydro - Oxygen - Gasflamme erzeugt bekanntlich einesolche Hitze, dass Platin darin mit Leichtigkeit schmilzt. Ein dieserFlamme ausgesetzter Cylinder aus Aetzkalk bringt dadurch, dass erbis zur höchsten Weissgluth erhitzt wird, eine immense Lichtentwicke-lung hervor. Dieses unter dem Namen Drummond’sches Kalk-licht, Siderallicht, bekannte Licht ist seit Drummond, der es zuerstals Signallicht anwandte, oft mit grossem Eifer gepriesen und ebenso oftwieder in Vergessenheit gerathen. Zur Beleuchtung von Städten er-wies sich das Licht als ungeeignet, selbst die Einführung desselben
!) D. Forbes, Cbem. News 1867, 2; Dingl. pol. J. CLXXXIII, 383;Wagn. Jaliresber. 1867, 387.