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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

den Vorschlägen der Herren Hans Siemens 1 ) und Steiumann 2 )durch Einführung der Gasfeuerung erreicht, welche noch mehrere Uebel-stände beseitigen soll. Denn sie gestattet die Anwendung einesjeden Brennstoffs, mit einziger Ausnahme stark backender Steinkohle.Die Rauchverzehrung ist eine vollständige; auf 100 Theile Aetzkalkwerden nur 25 bis 40 Theile Brennmaterial erfordert, während Oefenmit directer Feuerung 60 bis 100 Theile, consumiren; die Nachbar-schaft wird bei Gasfeuerung in keiner Weise belästigt; das gewonneneProduct ist vollkommen frei von Asche und Schlacke u. a. m. DasGas wird in zweckmässig construirten Generatoren entwickelt unddurch seitliche Oeffnungen in den Kalkofenschacht geleitet. Bei derBenutzung des Ofens wird zunächst Kalkstein bis zur halben Gicht-höhe eingefüllt und dann ein Vorfeuer von Holz angezündet. Wäh-rend dies verbrennt, werden die Generatoren in Gang gesetzt. Sobalddas Gas einströmt, werden die bisher zur Unterhaltung der Verbren-nung des Holzes ein wenig geöffneten Fallthüren, die sich am unter-sten Theil des Ofens befinden und durch welche der gargebrannte Kalkherausgezogen wird, vollständig geschlossen. Diese Fallthüren sindmit Oeffnungen versehen, durch welche die Verbrennungsluft eindringt,die, indem sie den im unteren Theil des Schachtes befindlichen glü-henden Kalk passirt, auf die gleiche Temperatur gebracht wird undwenn sie sich mit dem Gase mischt, eine energische Verbrennung des-selben vollzieht, während sie beim Dnrchstreichen durch den glühen-den garen Kalk diesen abkühlt. Das erste Kalkziehen findet späte-stens zwei Stunden nach Zulassung des Gases statt und wird von daan in Pausen von nicht unter 1 1 / 2 , nicht über 3 Stunden wiederholt.Nach jedem Zug wird die Gicht wieder sofort mit Kalkstein angefüllt. Imoberen Theil der Gicht unterhalb eines grossen Windfanges, der auchdie Thür zur Beschickung der Gicht enthält, setzt die Kohlensäure-leitung an, welche unter Einschaltung eines Laveurs oder Wasser-wäschers mit einer doppelt wirkenden Pumpe verbunden ist. Mangewinnt das Kohlensäuregas in einer Concentration von 19 Proc.Für weitere Details verweisen wir auf die oben citirte Abhandlung s ).

Um reine Kohlensäure für Rübenzuckerfabriken zu erzeugen, sindKalköfen construirt worden, in denen Kalkstein unter Darüberleitenvon Wasserdampf zersetzt wird; so von den Herren Meschelynk undLionnet 4 ), später von Hrn. Sebor 6 ). Es ist bekannt, dass Calcium-carbonat, bei Luftabschluss erhitzt, seine Kohlensäure nicht entlässt,

x ) Vergl. Cech: Zur Kritik des Siemensschen (Steinmannschen) Kalk-ofens mit Gasfeuerung. Dingl. pol. J. CO, 144, 2 ) Perd. Steinmann,

Polyt. Centralbl. 1870, 1426; Wagn. Jahresber. 1870, 327. 3 ) Vergl. auch

Cech: Notizen über Bteinmanns Kalkofen mit Gasfeuerung. Dingl. pol. J.CXCVIII, 501. 4 ) Wagn. Jahresber. 1860, 351. 5 ) Pr. Sebor, Deutsche

Industrieztg. 1866, 448.