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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Calcium.

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erfreutsich der Rüdersdorfer einer grossen Beliebtheit. Der Schachtbesteht aus einer doppelten Mauer von feuerfesten Steinen. Der Zwi-schenraum zwischen beiden Mauern ist mit Asche, Bauschutt u. dgl.angefüllt. Dadurch wird die Hitze besser zusammengehalten. Wäh-rend des Brennens ist der untere Raum des Schachtes mit gargebrann-tem Kalk angefüllt, der von Zeit zu Zeit durch Zugöffnungen, die sichdicht über der Schachtsohle befinden, entfernt wird. In einer Höhe,in welcher innerhalb des Schachtes sich noch gargebrannter Kalk be-findet (in Rüdersdorf etwa 4 Meter über der Schachtsohle), sind Feue-rungen (drei bis fünf) für Holz oder Torf angebracht, die mit Rostund Aschenfall versehen sind. Die Flamme gelangt in den Schachtdurch eine seitliche Oeffnung desselben. Der Schacht ist vollständigmit Kalkstein gefüllt, ja auf die Gicht ist noch ein hoher Kegel vonKalkstein aufgethürmt. Im Verkältniss, als der gare Kalk untenausgezogen wird, bringt man auf die Gicht einen neuen Kegel vonKalkstein. Das Brennen dauert so lange, als der Ofen es aushält.

' Wenn der Ofen in Gang gebracht wird, so wird im Schachte selbstein Holzfeuer angemacht, lieber dem Ilolzstoss ist Kalkstein bis zuden Oeffnungen, durch welche die Flamme von den Feuerstellen herkommen soll, aufgeschüttet. Nach Verbrennung des Holzes ist derOfen genügend angewärmt; er wird dann ganz mit Kalkstein ange-füllt und die Flamme der Feuerherde tritt in Wirksamkeit.

Die Oefen mit grosser Flamme haben manche Vortheile gegen-über denen mit kleiner Flamme. Dadurch, dass der Kalkstein nichtmit dem Brennmaterial in Berührung kommt, ist es unmöglich ge-macht, dass der Kalk mit Asche verunreinigt, oder gar damit zusam-mengeschmolzen ist, was natürlich seine Qualität verringert. DieHitze kann sorgfältiger regulirt werden und in Folge dessen ein gleich-mässigeres Durchbrennen des Kalks erreicht werden. Deshalb kannder Kalkstein auch in grösseren Stücken angewendet werden, was so-wohl das bei den Oefen mit kleiner Flamme nothwendige Zerkleinernüberflüssig macht, als auch insofern von Bedeutung ist, dass grosseStücke beim Aufbewahren der Einwirkung der Luft besser widerste-hen als kleine.

Von grosser Wichtigkeit ist die Kalkbrennerei für die Zucker-fabrikation, da hier nicht nur ein besonders reiner Aetzkalk, sondernauch möglichst reine Kohlensäure verlangt wird. Als letztere strebteman die heim Kalkbrennen entwickelte zu verwenden. Die Zucker-siedereien mussten das beste Brennmaterial verwenden, da durch ge-ringe Sorten Kohle oder Torf nur zu leicht ein schlechtes Producterzeugt wird. Der Preis des Kalks ist, da das Rohproduct stets nureinen sehr geringen Werth hat, abhängig von dem Preise und derQualität des Brennstoffs. Ersparniss an Brennmaterial bei guter Qua-lität der Waare ist daher das Ziel der Kalkbrennerei. Dies wird nach