Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
534
Einzelbild herunterladen
 

534

Gruppe III. Chemische Industrie.

Feuergasse ein Rost. Grössere Oefen haben nicht ein, sondern meh-rere, meist vier, Schürlöcher, und es werden dann mehrere Feuer-gewölbe gebaut,, wodurch natürlich die Flamme besser vertheilt wird.Das den Ofen bedeckende Gewölbe enthält eine Anzahl verschliessbarerOeffnungen, wodurch der Zug regulirt werden kann. Bisweilen wirddieser noch durch Anbringung einer Esse vermehrt. In der Mitte desOfens ist in der Regel ein Stück Holz eingesetzt, durch dessen Ver-brennung nachher eine Höhlung entsteht, welche der besseren Ver-theilung der Flamme und. der Vergrösserung des Zuges förderlich ist.

Es leuchtet ein, dass der Aufwand an Brennmaterial bei diesenOefen ein beträchtlicher ist. Man kann zwar grosse Steine brennenaber die Steine können nicht eingeschüttet, sondern müssen eingesetztwerden und für die Arbeiter ist es im hohen Grade lästig, bei einerneuen Beschickung die Steine einzusetzen, bevor der ausgeleerte Ofenvöllig erkaltet ist. Das vollständige Erkaltenlassen aber würde, dader Ofen geschlossen und überwölbt ist, beträchtlichen Zeitverlust ver-ursachen.

Die Oefen zu ( periodischem Betriebe mit kleiner Flamme habeneinen inneren Ofenraum von der Form eines Ellipsoids oder eines um-gekehrten abgestumpften Kegels. Nachdem auf der Sohle des Ofensein Holzfeuer angezündet ist, giebt man abwechselnd Schichten vonStein- oder Braunkohle und Kalkstein auf, bis der Ofen gefüllt ist.Die Ausleerung des Ofens geschieht durch Ziehöffnungen an der Sohle.Diese Oefen bieten gegenüber den periodisch mit grosser Flamme ar-beitenden Oefen den Nachtheil, dass in ihnen wie in allen Oefen mitkleiner Flamme der Kalk mit dem Brennmaterial und der Asche des-selben in unmittelbare Berührung kommt, und dass sie die Verwen-dung kleinerer Kalksteine erfordern, also etwas geringeren Kalk lie-fern. Auf der anderen Seite arbeiten sie schneller und billiger, sieverlangen nicht so viel Brennmaterial als die periodischen Oefen mitgrosser Flamme.

Die Oefen zu continuirlichem Betriebe mit kleiner Flamme sindim Inneren in der Regel trichter- oder kesselförmig, nach oben sicherweiternd. Die Beschickung erfolgt wie bei der eben beschriebenenArt. Wenn jedoch die Gluth bis an die im oberen Theil des Ofen-raums befindlichen Schichten vordringt, wird nur ein Theil des imunteren Raum angesammelten gut gebrannten Kalks durch die an derSohle angebrachten Ziehöffnungen herausgezogen. Durch die obereOfenöffnung werden dann neue Schichten von Brennmaterial und Kalk-stein aufgegeben. Vor den Ziehöffnungen sind in der Regel Rosteangebracht. Wenn der Kalk diese passirt, so wird die Asche desBrennmaterials, der sich Kalkstaub beimengt, die sogenannte Kälk-asche von dem Stückkalk getrennt.

Von den Oefen mit ununterbrochenem Brande und grosser Flamme