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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

wohnlicher Temperatur nicht ein, im Gegentheil wird Bariumcarbonatdurch Lösungen schwefelsaurer Alkalien in Bariumsulfat verwandelt.

Ungerer glüht nun den kohlensauren Strontian mit Kohle untergleichzeitigem Durchleiten von Wasserdampf im Flammofen und rege-nerirt so Aetzstrontian daraus, der von Neuem zur Zersetzung vonNatriumsulfat benutzt wird, während das Ammoniumsulfat wiederumzur Umsetzung von Kochsalz in Sulfat dient. An Rohmaterial ist also,abgesehen von Fabrikationsverlusten an Strontian etc., nur Kochsalzund Kalk nöthig. Ungerer will nach diesem 'Verfahren arbeitend,gute Resultate erhalten haben.

Calcium.

Calciumverbindungen sind, wie am Eingänge schon hervorgeho-ben wurde, in der Natur in reichlichster Menge verbreitet und sie fin-den eine sehr ausgedehnte technische Anwendung. Tbeils werden sie ohneWeiteres in unverändertem Zustande benutzt, theils erleiden sie einenur mechanische Bearbeitung, theils werden sie zu Zwecken des Ge-brauchs chemischen Processen unterworfen. Die Benutzung des koh-lensauren Kalks als Marmor, Kalkspath, Doppelspath, Kreide, lithogra-phischer Stein, des gebrannten Kalks, des Gypses in unverändertemund gebranntem Zustande ist so vielseitig und zugleich so allgemeinbekannt, dass eine Aufzählung der verschiedenen Arten ihrer techni-schen Verwendung an dieser Stelle nicht erforderlich scheint. Fernerdatirt die Verwendung der Calciumverbindungen in den Gewerbenschon von so lange her und ist so ausgebildet, dass wir kaum erwar-ten können, während des Zeitraums der letzten zehn Jahre erheblichenneuen Anwendungen oder wesentlichen Verbesserungen in ihrer che-mischen Verarbeitung zu begegnen. Indessen ist man, wie in allenanderen Gebieten der Technik, auch hier, in der Industrie des Kalksund der verwandten Körper, nicht müssig gewesen, sondern hat mitlebendigem Eifer mögliche Fortschritte erstrebt. Den Erfolg desStrebens sehen wir schon an dem zunehmenden Verbrauch und billi-gem Preise der in Rede stehenden Materialien.

Von allen Calciumverbindungen ist es das Calciumoxyd, der Kalk,welcher die ausgedehnteste Verwendung findet. Meistens gründet sichdieselbe daraiif, dass der Kalk eine starke Base ist, welche überallleicht und billig zu beschaffen ist. Auch seine Eigenschaft, mit Koh-lensäure und Schwefelsäure schwerlösliche Verbindungen zu bilden, sodass er durch diese Säuren leicht entfernt werden kann, ist von hohemWerth für seine technische Brauchbarkeit. Von seinen allgemeinstenund bekanntesten Anwendungen, der Bereitung von Mörtel und derDarstellung von Chlorkalk, ist in besonderen Abschnitten die Rede.