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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Barium. 517

Eisenchlorid der Manganlösung herrührt. Man kann die Reactiondurch folgende chemische Gleichung ausdrücken:

BaSOi + MnCl 2 -f 4C = MnS -f BaCl 2 + 4CO.

Die Masse wird dann mit-warmem Wasser ausgelaugt. Aus der Lösungkrystallisirt in der Regel gleich reines Chlorbarium. Wenn von demdurch Einwirkung der Kohle auf den Schwerspath entstandenenSchwefelbarium ein Theil sich nicht mit dem Manganchlorür umgesetzthaben sollte, wodurch die Lösung gelb erscheinen würde, so hilft mandiesem Uebelstand durch Zusatz yon etwas reiner Manganchlorürlösungab; umgekehrt wird ein Ueberschuss von letzterem durch Schwefel-barium entfernt.

Mit Vortheil ist diese Methode wohl nur dort anwendbar, wo mangan-clilorürbaltige Flüssigkeiten als Nebenproduct der Chlorkalkbereitungbillig zu Gebote stehen. Hr. Kühl mann hat auch versucht, denSchwefel des bei seiner Methode resultirenden Sehwefelmangans undSchwefeleisens zum Zweck der Schwefelsäurefabrikation nutzbarzu machen. Allein die Schwefelmetalle lassen sich nicht ohneZersetzung trocknen, und natürlicher Schwefelkies ist weit billiger.

Ein anderes Verfahren zur Erzeugung von Chlorbarium bestehtdarin, dass fein gepulverter Schwerspath und wasserfreies Chlorcalciumzusammengeschmolzen und mit Wasser schnell ausgelaugt werden.Bariumsulfat und Chlorcalcium liefern Calciumsulfat und Chlorbarium.Bei längerer Berührung mit Wasser erfolgt aber wieder Umsetzung inumgekehrtem Sinne. Eine weit sicherere Reaction geht vor sich, wenndem Gemenge von Schwerspath und Chlorcalcium Kohlepulver hinzu-gefügt wird. Man glüht im Tiegel, bis die Kohlenoxydflamme sichnicht mehr zeigt. Es ist dann folgende Umsetzung vor sich gegangen:

BaSOi + CaCl 2 + 4C = CaS + BaCl. 2 + 4 CO.

Da beim nun folgenden Auslaugen der Masse mit Wasser das Schwefelcal-cium lösliches Calciumsulfhydrat liefern kann, welches die Reinheit desChlorbariums beeinträchtigen würde, so hat Hr. Godin nach einem bel-gischen Patent x ) das Verfahren in der Weise verbessert, dass er dem Ge-misch noch Kalkstein hinzufügt. Der hieraus entstehende Aetzkalk bildetmit dem Schwefelcalcium unlösliches Calciumoxysulfuret. Godin cal-cinirt im Flammofen ein Gemisch von 100 Thln. Schwerspath, 35 his50 Thln. Kohle, 15 bis 25 Thln. Kalkstein, 40 bis 60 Thln. Chlor-calcium. Ilr.Dullo * 2 ) bemerkt zu diesem Verfahren, dass trotz unvoll-ständiger Zersetzung eine billigere Darstellungsweise, wenigstens da,wo Chlorcalcium als Nebenproduct gewonnen wird, nicht möglich sei.

!) Godin, Dingl. pol. J. CLXXI, 316; Chem. News 1866, Nro. 357, 168.

2 ) Dullo, Deutsche Industrieztg. 1865, 18.