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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Hr. R. Wagner 1 ) hält die Umwandlung des Schwefelcalciums inunlösliches Oxysulfuret für überflüssig und somit den Zusatz von Kalkfür iinnöthig. Er empfiehlt, anstatt des Chlorcalciums den StassfürterTachhydrit, eine Doppelverhindung von Chlorcalcium und Chlör-magnesium, CaCL, 2MgCl 2 -f- 12H 2 0, anzuwenden, da das Chlor-magnesium schon vor der Reduction des Schwerspaths Salzsäure undMagnesia liefert.

Hr. Kunheim hat die Gewinnung von Chlorbarium combinirt mitder Darstellung von Ammoniakpräparaten 2 ). Nach einem englischenPatent zur Darstellung von kohlensaurem Ammoniak zersetzt er Salmiakmit kohlensaurem Baryt, wobei Chlorbarium als Nebenprodukt auftritt.

Da, wo Witherit billig zu haben ist, kann man natürlich aus diesemMineral mit Vortheil Chlorbariuni darstellen. Man trägt das gepulverteCarbonat in Salzsäure und digerirt dann die erhaltene Lösung nocheinige Zeit mit einem Ueberschuss von Bariumcarbonat, um sie eisen-frei zu machen; es werden ja bekanntlich Eisenoxydsalze durch diesesSalz gefällt. Die eisenfreie Lösung wird zur Krystallisation eingedampft.ln der Mutterlauge bleiben die leichter löslichen Chloride des Stron-tiums und Calciums.

Mittelst des auf die eine oder andere Weise dargestellten Chlorbariumslässt sich nun eine Reihe von Producten darstellen. Das Chlorbariumseihst wird vielfach benutzt, um hei Anwendung von gypshaltigemWasser zur Kesselheizimg die Gefahr der Bildung von Kesselstein zuvermeiden. Nach den Angaben des Hrn. de Haen 3 ) erreicht man dieBeseitigung der Kesselsteinbilder, wozu neben Gyps besonders nochkohlensaurer Kalk zu rechnen ist, am besten dadurch, dass man nachHinzufügen einer genügenden Menge Chlorbariumlösung noch so langeunter fortwährendem Umrühren Kalkmilch hinzusetzt, bis man bemerkt,dass der Niederschlag sich zusammenballt und in Form von deutlichwahrnehmbaren Flocken in der Flüssigkeit schwimmt. Diese Flockenvon kohlensaurem Kalk reissen dann die letzte Spur des fein vertheiltenBariumsulfatniederschlags mit zu Boden, so dass nach sehr kurzer Fristdas Wasser vollkommen geklärt ist. Ein gutachtlicher Bericht derHerren Karmarsch, Rühlmann und Heeren bezeichnet dies Ver-fahren als ein wirklich radicales.

Die bedeutendste Verwendung findet das Chlorbarium wohl zurDarstellung von Permanentweiss oder Blanc fixe, welches durchKuhlmann ein sehr wichtiger Handelsartikel geworden ist. Derschwefelsaure Baryt ist in dieser Form eine vorzügliche weisse Maler-farbe, die nicht durch das natürlich vorkommende Bariumsulfat ersetztwerden kann, da dies in Folge seiner krystallinischen Beschaffenheitselbst als feinstes Pulver nicht genug Deckkraft besitzt, um init dem

Wagn. Jahresber. 1866, 252. 2 ) Kunheim, Wagn. Jahvesber. 1866,

202. 3 ) de Haen, Dingl. pol. J. CCVIII, 271.