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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Bari u in.

Im Laufe der Zeit sind mancherlei-Vorschläge gemacht worden,die Bariumverbindungen in die chemische Technik einzuführeu. Diemeisten erwiesen sich aber nicht als praktisch durchführbar. Auchein Versuch im Leblancschen Sodaprocess dadurch, dass an Stelledes kohlensauren Kalks kohlensaurer Baryt gebraucht wurde, Barium-verbindungen, also Baryt und Schwefelbarium, oder Bariumcarbonatund Bariumhyposulfit, als Nebenproducte zu gewinnen , konnte keinenErfolg haben, da, abgesehen von dem grösseren Moleculargewicht undVolum des Barytsalzes als des Kalksalzes und der in Folge dessenschwereren Handhabung desselben, die resultirenden Körper bei Weitemnicht so geeignet zur Darstellung von Barytsalzen sind, als es derWitherit und selbst der Schwerspath ist.

Es ist das hervorragende Verdienst eines ausgezeichneten Fabri-kanten, des Hrn. Knhlmaun in Lille, zuerst die Barium Verbindungenin den Kreis der chemischen Industrie eingeführt zu haben, ln den Kuhlmannschen Werken wird Chlorbarium dargestellt und mitHilfe dieses Körpers, desKochsalzes der Barytindustrie, wie es Ilr.Chandelon in dem Berichte über die chemischen Erzeugnisse auf derLondoner Weltausstellung im Jahre 1862 sehr treffend nennt, da esin der That die Bolle des Kochsalzes der Sodafabrikation übernimmt,erhält man eine Beihe von Barytpräparaten. Das Chlorbarium wirdin der Weise dargestellt'), dass ein Gemisch von zerkleinerter Steinkohle,von Schwerspath und von Manganchlorür, welches den Hauptbestand-theil des flüssigen Ilückstandes der Chlorbereitung bildet, zur Bothglutherhitzt wird. Der Ueberschuss an Säure in den Chlorrückständen wirddurch Kreide oder Witherit gesättigt. Die Beaction geht nun in einemFlammofen vor, welcher zwei über einanderliegende Herde enthält, dievon einer Feuerung erhitzt werden. Die Chlorrückstände kommen zu-nächst auf den oberen Herd, wo sie bis zu genügender Concentrationbleiben. Dann befördert man sie auf den unteren Herd, der aus Guss-eisen besteht und auf welchem sie mit dem feiugepulverten Gemischvon Schwerspath und Kohle innig vermengt werden. Sobald bei fleis-sigern Umrühren das Gemenge einen festen Teig bildet, wird es mittelsteiserner Krücken auf den vorderen, heissesten Theil des Ofens geharkt.Hier wird es während einer Stunde zur Bothgluth erhitzt. Wenn dieMasse halbflüssig geworden ist und kein Kohlenoxyd mehr entweicht,zieht man sie aus dem Ofen. Das Product enthält im WesentlichenChlorbarium, Scbwefelmangan und Schwefeleisen, welch letzteres vom

J ) Kulilmann, Compt. rend. XLVH, 403, 464, 674.